Linz: Wirbel um Kurt Palms "Freischütz"

3. Oktober 2002, 17:03
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Urheberrechtsstreit um Kürzung einer Landestheater- Inszenierung - Regisseur will klagen

Linz - Wirbel herrscht derzeit um eine Inszenierung des "Freischütz" am Linzer Landestheater; sie könnte Gegenstand eines Gerichtsstreites werden.

In einem offenen Brief warf zuerst Gerhard Ruiss von der IG Autorinnen/Autoren dem Theater vor, "in den Text und in die Inszenierung Kurt Palms grundlegend eingegriffen" zu haben. Es sei die "mindeste Pflicht", wenigstens nachträglich urheberrechtlich korrekt zu handeln.

Klage

Regisseur Palm legte via Radio Oberösterreich nach und bestätigte, dass er seinen Anwalt mit der Klage gegen das Landestheater beauftragt hat.

Es liege "ein klarer Verstoß gegen das Urheberrecht" vor, so Palm, weil das Landestheater seinen "Freischütz" von zwei Stunden zehn Minuten auf eine Stunde und 15 Minuten gekürzt habe. "Und dies, ohne mich zu informieren, ich bin nur durch Zufall draufgekommen", so Palm, "man fährt über das Werk eines Regisseurs drüber, das kann ich nicht akzeptieren".

"Theaterpädagogisches Projekt"

Der Intendant des Linzer Landestheaters, Michael Klügl, wies in der Folge den Vorwurf entschieden zurück: "Herr Palm hätte sich besser informieren sollen". Denn es habe sich nicht um zwei "Aufführungen" des "Freischütz" in gekürzter Version gehandelt, sondern um geschlossene Veranstaltungen für Schüler im Rahmen des Kinder- und Jugendprogramms des Landestheaters: "Dabei geht es darum, Schülern Oper nahe zu bringen".

Daher werde schon seit Jahren immer eine aktuelle Opern-Inszenierung auszugsweise gezeigt und von einem "Moderator" erläutert, so Klügl: "Von einer Aufführung im üblichen Sinn kann keine Rede sein". Zwar seien auch diese Schüler-Termine im Programm des Landestheaters aufgeschienen, aber eben als "geschlossene Veranstaltungen" und nicht im freien Verkauf.

Er sehe der Klage Palms gelassen entgegen, er verstehe sie aber nicht: "Herr Palm sollte vielmehr stolz sein, dass wir seine Inszenierung für unser theaterpädagogisches Projekt ausgewählt haben". Und auf die Frage, ob angesichts dieses Konflikts Kurt Palm in Zukunft wieder am Linzer Landestheater inszenieren werde, antwortete Klügl: "Sicher nicht, so lange ich hier Intendant bin".

Urheberrrecht

Kurt Palm hat in der vergangenen Spielzeit als Autor und Regisseur den "Freischütz" für das Theater neu inszeniert. Ruiss hatte in seinem offenen Brief kritisiert, dass am 13. und 14. Juni die Inszenierung verkürzt aufgeführt und der Name Palms im Programmfolder des Landestheaters für Juni/Juli weggelassen worden war. Eine "urheberrechtlich gedeckte Aufforderung" Palms, den Schaden in beiderseitigem Einvernehmen wiedergutzumachen, sei vom Landestheater abgewiesen worden.

Paragraf 21 des Urheberrechtsgesetztes besage "eindeutig", dass "Urheber selbst dann, wenn sie ihre Einwilligung zu Änderungen gegeben haben, nicht das Recht verlieren, sich Einstellungen, Verstümmelungen und anderen Änderungen des Werks zu widersetzen", argumentiert Ruiss. Ein Theater, das "so willkürlich mit Urheberrechten verfährt" und sich für den Fall einer Klage auf dem "wirtschaftlich stärkeren Ast wähnt", könne sich "jedenfalls nicht die geringste Sympathie von Autorenseite aus erwarten", unterstrich Ruiss. (APA)

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