Die Birne ist die Lampe

10. Oktober 2002, 13:07
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Jean Prouvé war Purist, Technologiepoet und Architekt, seine Möbelentwürfe sind gefragte Antiquitäten: Nun hat Vitra eine Prouvé-Möbel-Kollektion in das Programm aufgenommen

Für Rolf Fehlbaum von Vitra ist der 1984 verstorbene französische Designer und Architekt Jean Prouvé neben dem Duo Charles und Ray Eames die größte Konstrukteurspersönlichkeit des 20. Jahrhunderts. Nachdem die beiden Eames von den Sesselbauern aus Weil am Rhein in den vergangenen Jahrzehnten zu einer mittlerweile globusflächendeckenden Bekanntheit gepusht worden sind, nimmt man sich nun dieses ähnlichen, aber trotzdem ganz anderen "Konstrukteurs" an, indem man - von den noch nicht so zahlreichen aber umso inbrünstigeren Prouvé-Anhängern lang erwartet und erhofft - eine Reihe seiner schlichten Möbelentwürfe in das Vitra-Programm aufnimmt.

Jean Prouvé, geboren 1901, war bereits zu Lebzeiten eine Ausnahmeerscheinung, ein einzelgängerischer Sozialdenker, der als Kunstschmied seine Laufbahn begonnen und sie als quasi genossenschaftlich denkender Unternehmer vollendet hatte. Seine Möbel sind technisch präzise ausgetüftelte Kleinkunstwerke, allerdings dank des Prouvéschen Erfindergeistes, der sich zeitlebens auch auf Maschinerien und Produktionsabläufe erstreckte, in Massen fertigbar und im Vergleich zu manch anderem so genanntem Klassiker aus derselben Epoche auch im Sinne der menschlichen Physis geformt.

In der Zeit, in der die Tische, Büromöbel, Sessel und Lampen entworfen wurden, bildeten sie die Avantgarde einer Hightech-Garde, die gerade das Krabbeln erlernte oder noch nicht einmal geboren war. Für den britischen Architektur-Sir Norman Foster ist Prouvé denn auch "die Inspiration, die zeigt, wie Kunst und Technologie vereint werden können", für den italienischen Kollegen Renzo Piano ist und bleibt Jean Prouvé "das wichtigste Vorbild".

Das Erbe des Franzosen wurde nach seinem Tod in eine Stiftung eingebracht, und als ruchbar wurde, dass man sich um einen Produzenten umschaute, trat Vitra auf den Plan: Künftig zu haben sind diverse Sessel und Tische Prouvés wie auch seine unvergleichliche, jeden zeitgenössischen Konstrukteur entzückende Wandleuchte "Potence" aus dem Jahr 1950 - eine Case-Study brillanten weil uneitlen Designs.

Dieses ganz kühl nach den Gesetzen der Kräfte geformte Stück Ingenieurleistung spottet mit einem simplen Kragarm und einem darüber gespannten Zugseil den heute so schicken italienischen Lampendesignkollegen in seiner freundlichen Nüchternheit Hohn. Hier glänzt kein Schräublein Überfluss, hier ist nichts als züchtig gebändigte Kraft, die das Licht in Raumesmitte lenkt. Der Griff, mit dem die ganze Angelegenheit ganz leicht geschwenkt werden kann, ist nichts als die Fortsetzung des tragenden Armes selbst, die Birne wird zur Lampe, sie kommt ohne Schirm aus.

Es gäbe Produkte aus vergangenen Zeiten, so Fehlbaum, "die nichts an Glanz verloren haben, die zeitgemäß und unübertroffen sind". Vor allem Architekten, die sich naturgemäß mit dieser wichtigen und einflussreichen Ingenieurgestalt des 20. Jahrhunderts befasst haben, sind Prouvés Möbel ein Begriff. Es wird allerdings nicht nur sie erfreuen, dass sie nun produktionsfrisch und nicht mehr nur auf Möbelauktionen zu haben sind. (uwo, Der Standard/rondo/04/10/2002)

Vitra stellt die Jean Prouvé Collection ab 3. Oktober im Showroom in der Pfeilgasse 35, 1080 Wien, aus. Infos unter Tel. 01 / 405 75 14-0

  • Für Rolf Fehlbaum von Vitra ist der 1984 verstorbene französische Designer und Architekt Jean Prouvé neben dem Duo Charles und Ray Eames die größte Konstrukteurs-persönlichkeit des 20. Jahr-hunderts. Nachdem die beiden Eames von den Sesselbauern aus Weil am Rhein in den vergangenen Jahrzehnten zu einer mittlerweile globusflächendeckenden Bekanntheit gepusht worden sind, nimmt man sich nun dieses ähnlichen, aber trotzdem ganz anderen "Konstrukteurs" an, indem man - von den noch nicht so zahlreichen aber umso inbrünstigeren Prouvé-Anhängern lang erwartet und erhofft - eine Reihe seiner schlichten Möbelentwürfe in das Vitra-Programm aufnimmt.
    vitra

    Für Rolf Fehlbaum von Vitra ist der 1984 verstorbene französische Designer und Architekt Jean Prouvé neben dem Duo Charles und Ray Eames die größte Konstrukteurs-
    persönlichkeit des 20. Jahr-
    hunderts. Nachdem die beiden Eames von den Sesselbauern aus Weil am Rhein in den vergangenen Jahrzehnten zu einer mittlerweile globusflächendeckenden Bekanntheit gepusht worden sind, nimmt man sich nun dieses ähnlichen, aber trotzdem ganz anderen "Konstrukteurs" an, indem man - von den noch nicht so zahlreichen aber umso inbrünstigeren Prouvé-Anhängern lang erwartet und erhofft - eine Reihe seiner schlichten Möbelentwürfe in das Vitra-Programm aufnimmt.

  • Jean Prouvé, geboren 1901, war bereits zu Lebzeiten eine Ausnahmeerscheinung, ein einzelgängerischer Sozialdenker, der als Kunstschmied seine Laufbahn begonnen und sie als quasi genossenschaftlich denkender Unternehmer vollendet hatte. Seine Möbel sind technisch präzise ausgetüftelte Kleinkunstwerke, allerdings dank des Prouvéschen Erfindergeistes, der sich zeitlebens auch auf Maschinerien und Produktionsabläufe erstreckte, in Massen fertigbar und im Vergleich zu manch anderem so genanntem Klassiker aus derselben Epoche auch im Sinne der menschlichen Physis geformt.
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    Jean Prouvé, geboren 1901, war bereits zu Lebzeiten eine Ausnahmeerscheinung, ein einzelgängerischer Sozialdenker, der als Kunstschmied seine Laufbahn begonnen und sie als quasi genossenschaftlich denkender Unternehmer vollendet hatte. Seine Möbel sind technisch präzise ausgetüftelte Kleinkunstwerke, allerdings dank des Prouvéschen Erfindergeistes, der sich zeitlebens auch auf Maschinerien und Produktionsabläufe erstreckte, in Massen fertigbar und im Vergleich zu manch anderem so genanntem Klassiker aus derselben Epoche auch im Sinne der menschlichen Physis geformt.

  • In der Zeit, in der die Tische, Büromöbel, Sessel und Lampen entworfen wurden, bildeten sie die Avantgarde einer Hightech-Garde, die gerade das Krabbeln erlernte oder noch nicht einmal geboren war. Für den britischen Architektur-Sir Norman Foster ist Prouvé denn auch "die Inspiration, die zeigt, wie Kunst und Technologie vereint werden können", für den italienischen Kollegen Renzo Piano ist und bleibt Jean Prouvé "das wichtigste Vorbild".
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    In der Zeit, in der die Tische, Büromöbel, Sessel und Lampen entworfen wurden, bildeten sie die Avantgarde einer Hightech-Garde, die gerade das Krabbeln erlernte oder noch nicht einmal geboren war. Für den britischen Architektur-Sir Norman Foster ist Prouvé denn auch "die Inspiration, die zeigt, wie Kunst und Technologie vereint werden können", für den italienischen Kollegen Renzo Piano ist und bleibt Jean Prouvé "das wichtigste Vorbild".

  • Das Erbe des Franzosen wurde nach seinem Tod in eine Stiftung eingebracht, und als ruchbar wurde, dass man sich um einen Produzenten umschaute, trat Vitra auf den Plan: Künftig zu haben sind diverse Sessel und Tische Prouvés wie auch seine unvergleichliche, jeden zeitgenössischen Konstrukteur entzückende Wandleuchte "Potence" aus dem Jahr 1950 - eine Case-Study brillanten weil uneitlen Designs.
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    Das Erbe des Franzosen wurde nach seinem Tod in eine Stiftung eingebracht, und als ruchbar wurde, dass man sich um einen Produzenten umschaute, trat Vitra auf den Plan: Künftig zu haben sind diverse Sessel und Tische Prouvés wie auch seine unvergleichliche, jeden zeitgenössischen Konstrukteur entzückende Wandleuchte "Potence" aus dem Jahr 1950 - eine Case-Study brillanten weil uneitlen Designs.

  • Dieses ganz kühl nach den Gesetzen der Kräfte geformte Stück Ingenieurleistung spottet mit einem simplen Kragarm und einem darüber gespannten Zugseil den heute so schicken italienischen Lampendesignkollegen in seiner freundlichen Nüchternheit Hohn. Hier glänzt kein Schräublein Überfluss, hier ist nichts als züchtig gebändigte Kraft, die das Licht in Raumesmitte lenkt. Der Griff, mit dem die ganze Angelegenheit ganz leicht geschwenkt werden kann, ist nichts als die Fortsetzung des tragenden Armes selbst, die Birne wird zur Lampe, sie kommt ohne Schirm aus.
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    Dieses ganz kühl nach den Gesetzen der Kräfte geformte Stück Ingenieurleistung spottet mit einem simplen Kragarm und einem darüber gespannten Zugseil den heute so schicken italienischen Lampendesignkollegen in seiner freundlichen Nüchternheit Hohn. Hier glänzt kein Schräublein Überfluss, hier ist nichts als züchtig gebändigte Kraft, die das Licht in Raumesmitte lenkt. Der Griff, mit dem die ganze Angelegenheit ganz leicht geschwenkt werden kann, ist nichts als die Fortsetzung des tragenden Armes selbst, die Birne wird zur Lampe, sie kommt ohne Schirm aus.

  • Es gäbe Produkte aus vergangenen Zeiten, so Fehlbaum, "die nichts an Glanz verloren haben, die zeitgemäß und unübertroffen sind". Vor allem Architekten, die sich naturgemäß mit dieser wichtigen und einflussreichen Ingenieurgestalt des 20. Jahrhunderts befasst haben, sind Prouvés Möbel ein Begriff. Es wird allerdings nicht nur sie erfreuen, dass sie nun produktionsfrisch und nicht mehr nur auf Möbelauktionen zu haben sind.    (uwo, Der Standard/rondo/04/10/2002)

Vitra stellt die Jean Prouvé Collection ab 3. Oktober im Showroom in der Pfeilgasse 35, 1080 Wien, aus. Infos unter Tel. 01 / 405 75 14-0
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    Es gäbe Produkte aus vergangenen Zeiten, so Fehlbaum, "die nichts an Glanz verloren haben, die zeitgemäß und unübertroffen sind". Vor allem Architekten, die sich naturgemäß mit dieser wichtigen und einflussreichen Ingenieurgestalt des 20. Jahrhunderts befasst haben, sind Prouvés Möbel ein Begriff. Es wird allerdings nicht nur sie erfreuen, dass sie nun produktionsfrisch und nicht mehr nur auf Möbelauktionen zu haben sind. (uwo, Der Standard/rondo/04/10/2002)

    Vitra stellt die Jean Prouvé Collection ab 3. Oktober im Showroom in der Pfeilgasse 35, 1080 Wien, aus. Infos unter Tel. 01 / 405 75 14-0

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