Rushdie verteidigt Houellebecq

3. Oktober 2002, 11:52
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Beim Thema "Gotteslästerung"

Washington - Der britische Autor Salman Rushdie hat seinen umstrittenen französischen Kollegen Michel Houellebecq gegen Rassismus-Vorwürfe in Schutz genommen. Nicht Houellebecqs provokante Äußerungen über den Islam schadeten dem Ansehen der Moslems im Westen, sondern die Klage islamischer Verbände gegen den Autor, schrieb Rushdie am Mittwoch in einem Kommentar in der "Washington Post".

Houellebecq steht, wie berichtet, in Paris wegen abfälliger Äußerungen vor Gericht, die die Staatsanwaltschaft jedoch als strafrechtlich nicht relevant bezeichnete. Der Autor hatte den Islam in einem launischen Interview unter anderem als "die blödeste aller Religionen" bezeichnet.

Er hoffe, das "Gesetz über die Gotteslästerung" werde bei der für den 22. Oktober geplanten Urteilsverkündung in Paris nicht wieder eingeführt, schrieb Rushdie. Seinen französischen Kollegen lobte der in New York lebende Rushdie als "eines der besten neuen Talente in Europa, auch wenn er nicht ganz einfach ist".

Gegen Rushdie hatte der iranische Revolutionsführer Ayatollah Khomeini 1989 ein islamisches Rechtsgutachten ausgesprochen, in dem zur Tötung des Autors aufgerufen wurde. Die Fatwa hatte dem britischen Schriftsteller "Gotteslästerung" und "Verunglimpfung des Islam" in dessen Roman "Die Satanischen Verse" vorgeworfen. (APA)

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