Lebende "Souvenirs"

3. Oktober 2002, 12:01
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Beschlagnahmte Exoten finden oft ihr neues Zuhause in Schönbrunn

Wien - Nicht nur für Menschen heißt es an der Landesgrenze häufig: Einreise verboten. Auch viele exotische Tiere sind aus Artenschutzgründen und wegen finanzrechtlicher Probleme mitunter nicht gern gesehen. Der österreichische Zoll gibt die lebendigen "Souvenirs", nachdem sie ihren Besitzern abgenommen wurden, unter anderem an den Tiergarten Schönbrunn weiter. Dort finden sie ein neues Zuhause, erzählte Chefinspektor Rudolf Tomek, Leiter der Artenschutzgruppe bei der Wiener Zollfahndung, im Vorfeld des Welttierschutztages morgen, Freitag.

Tomek hat schon nahezu alles gesehen - Vogelspinnen, Riesenschlangen, Leguane, Nattern, Boas und vor allem Schildkröten sind nach wie vor Top-Ware. In den vergangenen eineinhalb Jahren hat Tomeks Abteilung 500 bis 600 Reptilien und über 12.000 Land- und Wasserschildkröten beschlagnahmt. Sichergestellte Tiere anderer Behörden sind nicht inkludiert.

Artenhandelsgesetz

Der Tatbestand, der zur Amtshandlung führt, lautet in der Regel Schmuggel, also illegale Einfuhr nach dem Finanzhandelsgesetz. Auch Verstöße gegen das Artenhandelsgesetz und die zugehörige EU-Richtlinie zum Artenschutz kommen immer wieder vor.

Berühmt-berüchtigte Prager Reptilienbörse

Während Tierschmuggel via Flugzeug wegen der zahlreichen Kontrollen und ungünstigen Bedingungen selten ist, blüht das Geschäft an den Grenzen zu Tschechien mit seiner in Fachkreisen berühmt-berüchtigten Prager Reptilienbörse, zu Ungarn und Slowenien. Die beschlagnahmten Tiere werden gemäß der gesetzlichen Vorgaben an ausgewählte Schutzzentren übergeben. Auf der Liste stehen Quartiere wie der Tiergarten Schönbrunn, das Haus des Meeres oder die Veterinärmedizinische Universität in Wien, wo eine artgerechte Haltung sichergestellt ist.

Auf Schönbrunn entfalle dabei seit der Privatisierung 1992 ein sehr großer Anteil, vor allem was die Reptilien betrifft, erklärte die Stellvertretende Direktorin des Tiergartens, Dagmar Schratter. Zur Zeit seien 68 Schildkröten, zehn Nashorn-Leguane, drei Felsen-Pythons, fünf Chamäleons und sogar ein Alexander-Sittich einquartiert. Erhöht hat sich die Aufnahmekapazität durch den Umbau des Aquariums/Terrariums vor drei Jahren.

Wenn andere Schutzzentren freie Plätze vermelden, kann es auch sein, dass Tiere weitergegeben werden. Nur sehr selten werden sie in die freie Wildbahn zurückversetzt wie 500 griechische Landschildkröten 1996. Trotzdem bleiben nicht alle Tiere in professioneller Obhut: Reicht ein Besitzer fehlende Papiere nach, darf er sein exotisches Souvenir wieder abholen. (APA)

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