Intel hat schon bessere Zeiten gesehen

3. Oktober 2002, 11:09
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CEO Craig Barrett: "Abwarten und investieren"

Craig Barrett, nach der legendären Silicon-Valley-Troika Robert Noyce, Gordon Moore ("Moore's Gesetz" über die Steigerung der Rechnerleistung) und Andrew Grove der vierte Chef des Chipherstellers, ist vorsichtig geworden mit Prognosen zum Aufschwung der IT-Branche. In diesem Herbst hätte schon alles besser werden sollen - aber vergangenen Dienstag musste Barrett konzedieren, dass weit und breit kein Aufschwung in Sicht sei. "Offensichtlich wirkt sich die schlechte Wirtschaft auf die Ausgaben im IT-Sektor aus und ist für die IT-Rezession verantwortlich", sagt Barrett. Intel, "inside" rund 80 Prozent der PCs, ist selbst Opfer dieser Rezession. Obwohl profitabel, schmolzen die Gewinne 2001 um 88 Prozent, der Umsatz sank um fünf Prozent. 2002 brachte stagnierende Umsätze, und auch vom Weihnachtsgeschäft erwartet Intel keine Wunder mehr und streicht stattdessen 4000 Stellen. Auch die angepeilte Diversifikation in die Telekom-Industrie durch Chips für Handys und Smartphones bringt kurzfristig keine Erholung: "Ich habe bemerkt, dass die Telcos derzeit nicht viel Geld ausgeben", kommentiert Barrett sarkastisch.

"Mehr ausgeben"

"Ich weiß nicht, wie wir Unternehmen dazu bringen können, mehr ausgeben", setzt Barrett auf Abwarten: "Alles, was wir in dieser langsamen Phase tun können, ist mehr Geld für Forschung und Entwicklung auszugeben und uns für den Zeitpunkt zu positionieren, wenn die Wirtschaft wieder in Schwung kommt." Tatsächlich gehört Intel zu den Wenigen im Silicon Valley, die mehr statt weniger Geld für F&E ausgeben. Obwohl sich auch große Investitionen nicht zwangsläufig vergolden: Acht Jahre und fünf Mrd. Dollar nach dem Start des "Itanium"-Projekts, der Entwicklung eines 64-Bit-Chips, um mit IBM und Sun zu konkurrieren, spielt der Itanium-2-Prozessor eine noch völlig untergeordnete Rolle am Markt. "Der Itanium wird abheben, sobald es die entsprechende Software gibt."

"Aufregung" und damit einen Grund zum Upgrade erwartet sich Barrett von der Konvergenz von Computer und Kommunikation: Künftig soll in den Intel-Chips Funktechnik integriert werden, um über drahtlose Netze ständigen Internetzugang zu haben. Andere Statements im einstündigen Gespräch:

Über den späten Einstieg in den Handymarkt:

"Wir haben hier nicht dieselbe Position wie im PC-Markt, aber das ist eine Chance, unseren Marktanteil zu vergrößern. Ich bedaure nicht, dass wir hier bisher nicht investierten, weil dies unsere PC-Entwicklung beeinträchtigt hätte."

Über die Konkurrenz von Wi-Fi und UMTS:

"Wi-Fi liefert Breitband in lokalen Netzen, 3G (3. Generation alias UMTS, Anm.) ist Breitband in Wide Area Networks. Die beiden Techniken konkurrieren nicht notwendigerweise, sondern sind meiner Meinung nach Ergänzungen. In einem Jahr kann man wahrscheinlich überall Wi-Fi-Hotspots benutzen, aber die Betreiber kämpfen noch um ein Geschäftsmodell."

Über digitalen Urheberschutz:

"Vier Faktoren spielen eine Rolle: Es gibt einige technische Lösungen; wir brauchen eine aktive Strafverfolgung von Leuten, die digitale Urheberrechte nicht respektieren; wir brauchen kommerzielle Modelle, wie Content über das Internet verteilt werden kann - die Eigentümer beschweren sich zwar, haben aber noch kein Modell dafür erfunden. Und wir müssen das Recht von Konsumenten schützen, den von ihnen erworbenen Content auf faire Art privat zu kopieren. Darum ist dieses Thema so komplex und gibt es keine simple Lösung - wie etwa ein digitales Wasserzeichen, wie es einem Hollywood erzählt."

Über E-Business:

"Wir waren alle entzückt von den Amazon.coms und von Business to Consumer und haben kollektiv den Fehler gemacht anzunehmen, dass B2C sich viel schneller entwickeln wird. Dieser Teil von E-Business war overhyped - was sich als treibende Kraft entpuppt hat, ist Business to Business, das Geschäft von Unternehmen mit Unternehmen." (Helmut Spudich; DER STANDARD Printausgabe, 3. Oktober 2002)

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