Japans Banken lösen Desaster aus

4. Oktober 2002, 09:38
24 Postings

Nikkei und Yen im freien Fall - Tokioter Börse am Donnerstag auf 19-Jahres-Tief

Tokio/Wien - Angeführt von starken Kursverlusten bei Banken hat der Nikkei-225-Index der Börse Tokio am Donnerstag zum ersten Mal seit 12. August 1983 unter der psychologisch wichtigen Marke von 9000 Punkten geschlossen. Er gab um 112,90 Zähler oder 1,25 Prozent auf 8936,43 Punkte nach.

"Was soll ich da noch sagen? Sorgen um eine harte Landung für Banken und Kreditnehmer, weiterer deflationärer Druck, fallende US-Aktien und dazu noch die Möglichkeit eines Krieges im Irak", meinte ein Händler resignierend. Solange die Anleger sich nicht klar seien, wie die Regierung die Banken sanieren will, werde sich die Lage an den Aktienmärkten nicht verbessern, hieß es.

Am Freitag hat der Tokioter Aktienmarkt den Handel mit festeren Notierungen beendet. Der Nikkei-225 Index stieg 91,12 Punkte oder 1,02 Prozent auf 9.027,55 Zähler.

Regierung unternimmt neuen Anlauf

Die Regierung will jetzt einen neuerlichen Anlauf zur Sanierung des Bankensystems unternehmen, das auf so genannten faulen Krediten von 430 Mrd. Euro sitzt - inoffiziell geht man sogar vom dreifachen Betrag aus. Das dokumentierte sie bereits zu Wochenbeginn, als Hakuo Yanagisawa durch den reformfreudigen Heizo Takenaka an der Spitze der Finanzregulierungsbehörde ersetzt wurde.

Am Donnerstag hat nun der Wirtschaftsminister einige als "Hardliner" bekannte Persönlichkeiten in die Bankenkommission berufen, die Lösungen zum Abbau der notleidenden Kredite der Geschäftsbanken des Landes erarbeiten soll. Damit wurden Hoffnungen beflügelt, dass das Problem der uneinbringlichen Kredite energischer als bisher angegangen wird.

Bereinigung der Kreditportfolios

Zum Leiter der Kommission wurde KPMG-Consultant Takeshi Kimura ernannt, der zuletzt den langsamen Fortschritt der Reformbemühungen kritisiert hatte. Daneben wurde Nobuyuki Nakahara berufen, der zuvor Mitglied des Geldpolitischen Rats der Bank of Japan war und sich dort für aggressivere Schritte zur Bekämpfung des Deflationsdrucks eingesetzt hatte.

Obwohl die Bereinigung des Kreditportfolios als absolut notwendiger Schritt gesehen wird, dürften die angedachten Maßnahmen insbesondere für Aktionäre zuerst einmal negative Auswirkungen haben, meint der Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank (RZB), Peter Brezinschek. Einerseits könnte die Rekapitalisierung der Banken durch vom Staat gezeichnete Kapitalerhöhungen zu einer Verwässerung der Eigentumsrechte führen. Andererseits könnten viele börsennotierte "Zombie-Unternehmen" (nicht konkurrenzfähige Firmen, die von den Banken am Leben erhalten werden) gezwungen werden, Konkurs anzumelden.

8000-Punkte-Marke nicht fern

Ob die Regierung nach vielen ähnlichen Ankündigungen in den letzten Jahren diesmal wirkungsvoll tätig wird, bleibt abzuwarten, meint Brezinschek und geht von einem weiteren Rückgang des Nikkei-Index bis auf 8000 Punkte im Laufe des vierten Quartals aus.

Auch für den japanischen Yen bleibt die RZB negativ und erwartet eine weitere Abschwächung bis 2003, da gerade in der ersten Phase aggressive Reformen im Bankensystem zu verstärkten Firmenpleiten und damit zu einer Gefährdung des ohnehin sehr flauen Wachstums führen würden.

Das ist besonders für jene Österreicher interessant, die sich in Yen verschuldet haben. Zur Jahresmitte entfielen bereits 42 Prozent aller Fremd- währungskredite in Höhe von 43,86 Milliarden Euro auf den Yen. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 4.10.2002)

Share if you care.