Schiffskatastrophe vor Senegal: Hauptgrund war Überladung

3. Oktober 2002, 08:22
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Statt 550 Passagiere waren 1034 Menschen an Bord - nur 64 Menschen überlebten

Dakar - Überladung ist die Hauptursache der schwersten Schiffskatastrophe Afrikas, bei der am vergangenen Freitag vor der westafrikanischen Küste rund 1.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Zu diesem Schluss kam am Mittwoch eine Untersuchungskommission der senegalesischen Streitkräfte. Nur 64 Menschen überlebten den Untergang der Fähre "Joola", die von den Streitkräften betrieben wurde. "Joola" war seetüchtig aber entsprach keinerlei Sicherheitsnormen

Die senegalesische Unglücksfähre "Joola" ist nach zwei übereinstimmenden offiziellen Untersuchungen zwar seetüchtig gewesen, hat aber gravierende Sicherheitsmängel gehabt. Das Schiff habe keinerlei Normen entsprochen und sei zudem überladen gewesen, heißt es in den am Mittwochabend in Dakar veröffentlichten Berichten der Ministerien für Verkehr und Verteidigung.

Bei einer technischen Visite am 23. September sei die Fähre aber offenbar seetüchtig gewesen. So seien die Motoren in gutem Zustand gewesen. Das Schiff sei regelmäßig gewartet und repariert worden. Die Kontrollore hätten allerdings empfohlen, die Kommunikationssysteme der Fähre zu überprüfen sowie Raketen für Notsignale anzuschaffen.

Statt 550 Passagiere waren 1034 Menschen an Bord

Mit offiziell 1034 Menschen an Bord war die für 550 Passagiere ausgerichtete "Joola" völlig überfrachtet. In den Berichten wird jedoch betont, dass die Hauptursache des Untergangs vor der gambischen Küste der in der Nacht zu Freitag herrschende Sturm war. Bei dem Unglück kamen fast tausend Menschen ums Leben.

"Joola" wurde in Deutschland gebaut

Den Angaben zufolge wurde die "Joola" in Deutschland gebaut. 1990 wurde das SChiff fabrikneu nach Senegal geliefert und im selben Jahr in Betrieb genommen. Es hatte laut dem Verteidigungsminitserium mehrere technische Pannen, darunter im August 2001 am Hauptmotor Backbord. Daraufhin sei die Fähre fast ein Jahr lang stillgelegt worden. In der Zeit hätten senegalesische Techniker sowie Mitarbeiter des deutschen Maschinenbauers MAN den Motor repariert. Diese hätten auch generelle Überholungsarbeiten ausgeführt, heißt es in dem Bericht des Verteidigungsministeriums weiter.

Verkehrsminister Youssouph Sakho und Verteidigungsminister Youba Sambou hatten am Dienstag die Verantwortung für die Katastrophe übernommen und ihren Rücktritt eingereicht. (APA)

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