Polen: Erzbischof Glemp verbietet "Radio Maryja"

3. Oktober 2002, 08:01
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Ultrakonservativer und nationalistischer Sender darf nicht mehr im Namen der Kirche um Spenden bitten

Warschau - Der Erzbischof von Warschau, Kardinal Jozef Glemp, hat den umstrittenen katholischen Rundfunksender "Radio Maryja" faktisch verboten. In einer in Warschau veröffentlichten Erklärung untersagte Glemp dem Sender, im Namen der Kirche um Spenden zu bitten, meldete die Kathpress am Mittwoch. Gleichzeitig mahnte er alle Gläubigen, "Radio Maryja" nicht zu hören, sondern den offiziellen katholischen Radiosender der Erzdiözese, "Radio Jozef", einzuschalten.

"Radio Maryja", das auf Grund seiner ultrakonservativen, nationalistischen und anti-europäischen Beiträge immer wieder kritisiert wird, wurde vor zehn Jahren von dem Redemptoristenpater Tadeusz Rydzyk gegründet und erreicht nach eigenen Angaben landesweit täglich drei bis vier Millionen Hörer. Der Sender hat seinen Hauptsitz im nordpolnischen Torun und finanziert sich aus Spenden.

Bereits vor einem Monat hatte Glemp die Schließung von lokalen Büros des Rundfunksenders in seiner Erzdiözese angedroht. Der Sender unterhält in zahlreichen Pfarren Büros, die nicht in erster Linie dem Sendebetrieb dienen, sondern der Organisation von Gottesdiensten, Einkehrtagen oder sonstigen Veranstaltungen. Eine kirchliche Einrichtung, "sei sie auch noch so angesehen oder berühmt", dürfe aber laut dem Kirchenrecht ohne Erlaubnis des Ortsbischofs keine Gottesdienste, Konferenzen oder andere Formen religiöser Unterweisung veranstalten, stellte Glemp damals klar.

Für die "Radio Maryja"-Büros liege eine solche Genehmigung nicht vor. Sollte die Büros nicht bis zum 1. Oktober die Genehmigung des Ortsbischofs einholen und auch erhalten, würden sie geschlossen, verfügte der Erzbischof. Die jetzige Maßnahme Kardinal Glemps gilt nur für den Bereich seiner Erzdiözese, sie dürfte aber auch Auswirkungen auf das künftige Verhalten anderer Bischöfe gegenüber "Radio Maryja" haben. Warschauer Kirchenkreise weisen darauf hin, dass Glemp seit längerem darum bemüht ist, die Position seines diözesanen Rundfunksenders "Radio Jozef" zu stärken.(APA)

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