"Milosevic sprachlos gemacht"

3. Oktober 2002, 07:46
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Positive "Kritiken" für kroatischen Präsident Mesic von Kroatiens Presse zu Auftritt in Den Haag

Zagreb - Durchwegs positive "Kritiken" erntete der kroatische Präsident Stipe Mesic in der kroatischen Presse für seinen Mittwoch-Auftritt vor dem UNO-Tribunal in Den Haag. Mesic war vom früheren serbischen und jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic in Kreuzverhör genommen worden. Die Folge war ein heftiger Schlagabtausch. Für die kroatischen Journalisten stand der Sieger fest: "Mesic parierte den Angriff", lautete eine Schlagzeile, "Mesic stärker als Milosevic-Provokationen", eine andere.

Die Zeitung "Novi list" strich hervor, dass Mesic seinen Widerpart mehrmals "sprachlos" gemacht habe. "Das ist dem früheren Serben-Führer noch selten passiert", hieß es weiter. "Vecernji list" registrierte mit Genugtuung, dass der kroatische Präsident alle Angriffe erfolgreich abgewehrt habe und beharrlich klar gestellt habe, wer nun als Angeklagter vor Gericht stehe. "Vjesnik" schlug ebenfalls patriotische Töne an und bemerkte, dass es Mesic in der Hand habe, "die destruktive Rolle des Führers aus Belgrad" zu enthüllen.

In einer Analyse von "Vjesnik" hieß es, der Verlauf des Prozesses habe gezeigt, dass das Gericht und der Zeuge Mesic ähnliche Ziele verfolgten: "Die Tribunalsanklage will zeigen, dass Milosevic die Kriege in Kroatien und Bosnien-Herzegowina geplant, organisiert und nichts für ihre Beendigung getan hat. Mesic will die Rolle von Milosevic beim Zerfall der Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien entlarven."

Nicht so einhellig waren die Reaktionen der politischen Lager in Kroatien. Der sozialdemokratische Ministerpräsident Ivica Racan lobte die Aussagen als "notwendig und qualitätsvoll", weil sie die Verwicklung des damaligen serbischen Präsidenten in die "Agression gegen Kroatien" aufzeigten. Sein ehemaliger Stellvertreter als Regierungschef, Drazen Bundisa, von den nunmehr oppositionellen Sozialliberalen (HSLS), übte hingegen Kritik. "Das war nicht überzeugend. Mesic war nicht vorbereitet. Er kennt Milosevic sehr gut und hätte sich besser für seine Aussage rüsten müssen."

Milosevic ist wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen im Kosovo, in Bosnien-Herzegowina und Kroatien angeklagt und verteidigt sich selbst. Mesic hat bereits zwei Mal in Den Haag als Zeuge ausgesagt. Im Prozess gegen den bosnisch-kroatischen General Tihomir Blaskic sowie im Verfahren gegen den ehemaligen serbischen Bürgermeister der kroatischen Stadt Vukovar, Slavko Dokmanovic, der sich später in seiner Zelle das Leben nahm. Die beiden Verfahren fanden im Jahr 1998 statt, als Mesic noch nicht kroatischer Präsident war. (APA)

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