Friedensbemühungen in Cote d'Ivoire vor dem Scheitern

7. Oktober 2002, 07:22
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Vermittler geben Regierung schuld am Nicht-Zustandekommen des Waffenstillstandes

Abidjan/Yamoussoukro - Während sich die Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommens in Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) am Wochenende weiter verzögert hat, bereiten Regierungstruppen offenbar einen Großangriff auf die Stadt Bouake vor. Die im Norden gelegene, zweitgrößte Stadt des Landes befindet sich derzeit in der Hand der Rebellen. Einwohner berichteten am Sonntagnachmittag von anhaltenden Schießereien. Für das Scheitern der bisherigen Bemühungen um einen Waffenstillstand ist laut Vermittlern die Regierung von Präsident Laurent Gbagbo verantwortlich.

Der Gefechtslärm war bis in das Stadtzentrum von Bouake zu hören. "Es ist die Gendarmerie, sie greifen uns an", sagte ein verwundeter Rebell, der in die Stadt zurückgekehrt war. Augenzeugen berichteten, auf der westlichen Zufahrtsstraße nach Bouake sei ein Konvoi mit rund 200 Regierungssoldaten mit neuer Ausrüstung beobachtet worden.

Die westafrikanischen Vermittler der Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS erhöhten unterdessen den Druck auf Präsident Gbagbo. Bis Sonntag kam die geplante Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens nicht zu Stande, weil die Regierung den zu dem Treffen mit den Rebellen entsandten Offizier nicht mit dem nötigen Mandat ausgestattet hatte. "Wir müssen das Mandat haben" sagte der togolesische Außenminister Koffi Panou, einer der sechs ranghohen Vermittler aus sechs westafrikanischen Staaten. Auf der Seite der Rebellen habe es keine Schwierigkeiten gegeben, sagte der malische Außenminister Lassana Traore.

Der ivorische Parlamentspräsident Mamadou Koulibaly erklärte am Samstag, die Regierung müsse einen Angriff vorbereiten, da sie nicht sicher sein könne, dass sich die Rebellen an ein Abkommen hielten. Ein französischer Oberst in Yamoussoukro berichtete am Samstag von Truppenbewegungen in Richtung Norden.

Am 19. September hatten die Kämpfe mit einem Aufstand entlassener Soldaten begonnen. Diese haben inzwischen die nördliche Hälfte des Landes unter ihre Kontrolle gebracht und erhalten offenbar auch in einigen Orten Unterstützung von der Bevölkerung. Die Frontlinie zwischen dem Rebellengebiet im Norden und der weiter von der Regierung gehaltenen Region verläuft rund 40 Kilometer nördlich der Hauptstadt Yamoussoukro.

Für den Konflikt, der am 19. September begann, gibt es verschiedene Ursachen. Die Regierung des wegen seiner Kakao-Produktion wichtigen Landes hatte den Rebellen Putschabsichten vorgeworfen. Einige der Rebellen hatten gemeutert, weil sie aus der Armee hatten entlassen werden sollten. Zugleich kommt in dem Konflikt auch die Spannung zwischen dem christlich geprägten Süden und dem moslemisch ausgerichteten Norden zum Ausdruck. Die meisten Rebellen kommen aus dem Norden. Die Regierung in Abidjan hat zudem den Verdacht geäußert, die Rebellen bekämen Waffenhilfe aus dem nahen Ausland.

Die frühere Kolonialmacht Frankreich unterhält derzeit ein Kontingent von rund 1.000 Soldaten in der Republik Cote d'Ivoire. Sie waren unter anderem im Einsatz, um Ausländer aus Bouake in Sicherheit zu bringen. (APA/AP/Reuters)

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    foto: epa/afpi/georges gobet
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    Zehntausende Demonstranten forderten die Absetzung von Präsident Laurent Gbagbo und den Abzug der französischen Truppen

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