Brandenburger Tor nach zweijähriger Bauzeit enthüllt

4. Oktober 2002, 09:09
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Eine Million Besucher bei Feiern zum Tag der deutschen Einheit - Bush betont Bedeutung der deutsch-amerikanischen Freundschaft

Berlin - Nach knapp zweijährigen Sanierungsarbeiten ist das Brandenburger Tor am Donnerstag in einer spektakulären Aktion wieder enthüllt worden. Vor den Augen zehntausender Schaulustiger seilte sich der deutsche Filmemacher Willy Bogner von einem 21 Meter langen Reißverschluss ab, wodurch das um das Tor gelegte Stofftuch getrennt wurde. Zuvor hatte sich Bogner für seine gewagte Aktion mit einem Heißluftballon in die Höhe heben lassen.

Ehrengast Bill Clinton

Rund um das Bauwerk hatten den ganzen Tag über bei Volksfeststimmung rund eine Million Berliner und Gäste den 12. Jahrestag der Deutschen Einheit gefeiert. Als Ehrengast war der frühere US-Präsident Bill Clinton gekommen. Clinton würdigte die deutsch-amerikanische Freundschaft als festes Band. Der Mauerfall sei der Beweis dafür, dass Menschlichkeit siege, sagte er unter dem Beifall der Hunderttausenden. "Das Tor war ein Symbol der Teilung. Heute ist es ein echtes Symbol der Einheit", sagte er auf Deutsch. "Möge das immer so bleiben." Bewegt nahm Clinton einen Stein des Tores entgegen, der bei der Sanierung ausgetauscht worden war. Er war der erste US-Präsident, der nach dem Mauerfall 1994 das Tor von West nach Ost durchschritten hatte.

Rau dankt USA für Verdienste um die Wiedervereinigung

Bei einem Festakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt hatte Bundespräsident Johannes Rau den USA demonstrativ für ihre Verdienste um die Wiedervereinigung gedankt. Rau und Bundesratspräsident Klaus Wowereit (SPD) appellierten zugleich an die Deutschen in Ost und West, auch zwölf Jahre nach der Wiedervereinigung weiter aufeinander zuzugehen und dabei die Unterschiede zu respektieren. Die zentralen Feiern zum 3. Oktober wurden erstmals seit 1990 in der einstigen Mauerstadt Berlin ausgerichtet.

Bei dem Festakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt sagte Rau: "Dass die Ideale von Demokratie und Freiheit sich endlich durchgesetzt haben, das verdanken wir den Bürgerinnen und Bürgern im Osten, aber wahrlich auch unseren Freunden und Verbündeten. Das werden wir ihnen nicht vergessen." Zuvor hatte US-Präsident George W. Bush erstmals seit der Bundestagswahl wieder offiziellen Kontakt zu Deutschland aufgenommen und zum Tag der Einheit seine "herzlichen Grüße" an den Bundespräsidenten übermittelt.

"Deutsch-amerikanische Freundschaft"

Bush versicherte in einem handschriftlich unterzeichneten Brief, Amerika feiere gemeinsam mit Deutschland "diesen bedeutenden Tag". Die USA seien fest an der Seite Deutschlands gestanden mit dem Ziel, einem geeinten Deutschland die Freiheit zu bringen: "Das Ende des Kommunismus und der Fall der Berliner Mauer waren ein großer Erfolg für unsere beiden Nationen." In diplomatischen Kreisen wurde der verbindliche Ton des Schreibens hervorgehoben. Vor zwei Wochen hatte Bush nach dem Sieg Schröders bei der Bundestagswahl auf ein Glückwunschschreiben verzichtet. Zwischen Berlin und Washington herrscht Verstimmung, weil Schröder vor einem Angriff auf den Irak warnt und eine deutsche Beteiligung daran strikt ablehnt.

40 Jahre Trennung

Bei einer Feierstunde in Dresden sagte Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU), 40 Jahre Trennung hätten tiefere Spuren hinterlassen, als man es vorher gewusst habe. Thüringens Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) rief in Sonneberg zu einem unverkrampften Umgang mit dem Nationalfeiertag auf. Beim Deutschlandfest der Union in dem einst geteilten Dort Mödlareuth auf der Grenze zwischen Thüringen und Bayern betonte Jenoptik-Chef Lothar Späth: "Ohne die Amerikaner hätten wir die Wiedervereinigung nicht geschafft."

Schon während des ganzen Tages hatten mehrere hunderttausend Menschen auf dem Boulevard Unter den Lindern den zwölften Jahrestag der Einheit gefeiert. Stände boten Spezialitäten aus ganz Deutschland an, auf zahlreichen Bühnen rund um das Brandenburger Tor traten Kabarettisten und Musikgruppen auf. Für den späteren Abend waren Konzerte der Sängerin Nena und der Popgruppe Atomic Kitten geplant.

Das Brandenburger Tor wurde in den Jahren 1788 bis 1791 errichtet und gilt als Symbol von Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte. Nach dem Sieg über Frankreich 1871 wurde das Gebäude zum Zentrum einer pompösen Siegesparade unter dem Kaiser Deutschlands. Nach der Machtübernahme der Nazis erlebten die Anrainer gespenstische Paraden mit Hakenkreuz-Fahnen und Fackeln. Nach dem Mauerbau 1961 stand das Tor im Niemandsland zwischen Ost und West. Knapp zwei Monate nach der Wende wurde das Tor am 22. Dezember 1989 wieder geöffnet. Nach der Enthüllung am 3. Oktober soll es nur noch für Fußgänger, Radfahrer, Busse und Taxis passierbar sein.(APA/AP/dpa/Reuters)

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    Enthüllt: das Brandenburger Tor ist nun wieder ganz ohne Verpackung zu sehen.

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