Kommentar der anderen: Was wird mit den Unis nach den Neuwahlen geschehen?

3. Oktober 2002, 17:50
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Fortführung des Projekts moderne Uni - Von Uni-Professor Günther Bonn

Im Wettbewerb von Bildung, Forschung und technologischer Entwicklung ist eine funktionsfähige, zukunfts-und leistungsorientierte Universität eine unabdingbare Voraussetzung, um bestehen zu können. Eine Bedingung ist eine hoch qualifizierte Ausbildung in allen Bildungsebenen von der Volksschule bis zur Universität. Neben der Durchlässigkeit des Bildungssystems für alle, die Leistung erbringen wollen, muss auch für jeden die best mögliche Ausbildung gewährleistet sein, um letztendlich hoch qualifizierte Arbeitsplätze und somit die soziale Sicherheit zu garantieren.

Im Juli wurde bekanntlich das neue Universitätsorganisationsgesetz (UOG) beschlossen. Dadurch gab man den Universitäten einen längst überfälligen Rahmen, der ihre Stellung als internationale Spitzeninstitution stärken sollte.

Attraktivität gestiegen

Das neue UOG stellt für viele europäische Länder - und das hat eine breite Diskussion auch außerhalb Österreichs gezeigt - ein Vorzeigeprojekt dar, welches international angestrebt wird. Die Erfahrung der letzten Monate zeigt: Österreich ist durch dieses Gesetz schon jetzt für viele Wissenschafter wieder ein attraktiver Forschungsplatz geworden, auch die Nachfrage, auf eine Professur nach Österreich berufen zu werden, ist im internationalen Umfeld deutlich gestiegen. Die Universitäten dürfen jedoch nicht zum Objekt von Reform und Gegenreform werden, sie dürfen nicht durch zeitliche Zufälligkeiten von Legislaturperioden und Wahlbewegungen beeinflusst werden, insbesondere auch deshalb nicht, da dieses Gesetz schon Jahre früher unter anderen Regierungszusammensetzungen weitgehend so vereinbart wurde, wie es derzeit vorliegt.

Deshalb wird jede Regierung, wie auch immer sie politisch zusammengesetzt sein wird, gut beraten sein, die autonomen leistungs- orientierten Strukturen gewähren zu lassen, damit Innovation, Leistung, aber auch jungen Kollegen der Aufstieg in Leitungsfunktionen wieder ermöglicht wird.

Es dürfen nicht wieder paritätische, altersbedingte und nivellierende Kriterien in den Vordergrund gestellt werden. International sind nämlich schon längst die Weichen in Richtung Universitätsorganisationsgesetz 2002 gestellt, und Österreich wird es sich nicht leisten können den Retourgang einzulegen. Es scheint mir daher wesentlich vordringlicher zu sein - abgesehen von Nachbesserungen, die bei jedem Gesetz auf Grund der praktischen Erfahrungen notwendig werden -, dass auch nach den kommenden Wahlen für die Universitäten wichtige Punkte für die Zukunft gesichert werden.

Evaluierung auf jeder Ebene

Dazu gehören eine rasche Implementierung des Gesetzes und eine zügige Fortführung der Profil- bzw. Schwerpunktbildung an den Universitäten. Es muss gewährleistet sein, dass die besten Wissenschafter die Möglichkeit einer Berufung auf eine Professur erhalten und dass durch konsequente Evaluierung der höchste Standard gesichert wird. Evaluierungen sind aber auf jeder Personalebene durchzuführen und müssen wirklich mit merkbaren Konsequenzen einhergehen. Damit soll gewährleistet sein, dass dem Gesetz entsprechend die Mehrheit der Professoren die Belange und Zukunft der Universität maßgeblich bestimmen. Vor allem der Wille zu einer breiten und guten Finanzierung der Universitäten muss unabhängig vom Ausgang der Wahlen weiterhin gesichert sein.

Die vom Rat für Forschung und Technologieentwicklung initiierten und zur Finanzierung empfohlenen Gelder etwa für Infrastrukturverbesserungen an den Universitäten, Stipendien für Studenten, eigene Frauenförderungs- und Spezialforschungsprogramme, wie etwa das Genom-Programm, aber auch die Finanzierungen der Grundlagenforschung müssen weiterhin zusätzlich zur Verfügung gestellt werden - all das steht in engem Zusammenhang mit einer modernen Universität und ihrer Zukunft. Von entscheidender Bedeutung dabei ist eine Fortführung der Selbstständigkeit des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) einhergehend mit einer soliden finanziellen Ausstattung für die Grundlagenforschung und Nachwuchsförderung in Österreich.

Ich glaube daher, dass für erfolgreiche Universitäten und Forschung der eingeschlagene Weg fortgesetzt werden muss. Die Autonomie, der Aufbau leistungs- und evaluationsorientierter Strukturen sowie eine ausreichende Finanzierung müssen auch nach den Wahlen außer Zweifel gestellt werden. Alles andere wäre ein schmerzlicher Rückschritt, den sich Österreich nicht leisten sollte. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.10.2002)

Der Autor ist Professor und Institutsvorstand des Instituts für Analytische Chemie und Radiochemie der Universität Innsbruck, Mitglied und Referent im FWF und stellvertretender Vorsitzender des Rates für Forschung und Technologieentwicklung.

Was wird mit den Universitäten nach den Neuwahlen geschehen? Eine Gegenreform zur Reform, wenn vielleicht Rot-Grün kommt? Das Ende der Studiengebühren? Jede zukünftige Regierung sei gut beraten, so die Expertenmeinung, die neu geschaffenen, autonomen Strukturen gewähren zu lassen. Bei einer offenen Universität für alle Leistungswilligen. Und einer Garantie, Evaluierungen auf jeder Personalebene durchzuführen. Mit tatsächlich merkbaren Konsequenzen für die Beurteilten.
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