Deutsche Bahn: Ex-Manager gibt Bestechlichkeit zu

2. Oktober 2002, 20:08
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Hauptabteilungsleiter soll insgesamt 1,7 Millionen Euro kassiert haben

Berlin - Ein ehemaliger leitender Mitarbeiter der Deutschen Bahn hat zu Beginn eines Korruptionsprozesses am Mittwoch die ihm zu Last gelegten Vorwürfe im wesentlichen eingeräumt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 61-Jährigen Bestechlichkeit in neun Fällen sowie Untreue in fünf Fällen zum Nachteil der Bahn vor. Er soll in der Zeit zwischen 1995 und 1999 insgesamt 3,3 Millionen Mark (1,69 Mill. Euro) an Schmiergeldern kassiert haben. Neben dem ehemaligen Bahnmitarbeiter sind zwei Unternehmer aus Düsseldorf und Stollberg vor der 12. Strafkammer des Frankfurter Landgerichts mitangeklagt. Sie sollen von dem Bahnmitarbeiter Aufträge in Millionenhöhe erhalten haben. Insgesamt sei der Bahn dabei ein Schaden von 32 Millionen Mark entstanden, hieß es in der Anklage.

Der frühere Hauptabteilungsleiter für den Bereich Einkauf und Logistik der Bahn hatte am ersten Verhandlungstag über seinen Verteidiger die ihm zur Last gelegten Vorwürfe im wesentlichen eingeräumt. Zuvor hatte die 12. Strafkammer nach Gesprächen mit den Verfahrensbeteiligten zu erkennen gegeben, dass im Fall eines Geständnisses des ehemaligen Bahnangestellten dieser mit keiner höheren Haftstrafe als vier Jahren und drei Monaten zu rechnen habe.

Der ehemalige Bahnangestellte soll die Umwandlung der Deutschen Bundesbahn in die privatrechtlich geführte Deutsche Bahn AG genutzt haben, sich zu bereichern. Laut Anklage wurde auf Betreiben des Bahnmitarbeiters eine Firma für den Transport von Schienen und Schotter gegründet, die aufgrund eines Kooperationsvertrages bei der Bahn eine monopolartige Stellung erhielt. Der Angeklagte soll an diesem Unternehmen eine stille Beteiligung gehalten und insgesamt 2,4 Millionen Mark Gewinne kassiert haben. Außerdem wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, Spezialwaggons der Bahn günstig an einen der beiden Mitangeklagten verkauft und dafür gesorgt zu haben, dass die Bahn die Waggons erheblich teurer zurückmieten musste. (APA/Reuters)

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