Qualitätsfrage: Kaffee an der Uni

2. Oktober 2002, 20:08
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Koffeinschub auf die Schnelle

Grundsätzlich darf man auch vom Zwischendurch-Kaffee aus dem Automaten oder vom Imbißstand erwarten, dass er einigermaßen wie Kaffee schmeckt und munter macht. Denn das Prinzip der französischen Zubereitungsart gilt für alles, was Kaffee auch nur ähnlich sieht: Kochendes Wasser wird über gemahlene Kaffeebohnen gegossen. Wichtige ist, dass das "Gebräu" nicht durch Herumstehen auf Heizplatten eingedampft wird, was ihm zu einem unangenehmen Bitterton verhilft.

Dass aus vielen Kaffeeautomaten auf der Universität Wien und in den Fakultäten nicht gerade Plantagenkaffee der feinsten Bohne sprudelt, ist eine nicht wirklich überraschende Mitteilung. Automaten-Füllungen sind meistens sprüh- oder gefriergetrocknete Kaffeemischungen, die nach Bedarf - ergo nach Bezahlen - aufgebrüht wird: Die Qualität dieser Basismischung kann hochwertig sein - oder auch nicht. Andere Varianten sind Kaffeesirup als Grundstoff (selten) bzw. Maschinen, die nach dem Espressoprinzip funktionieren.

Dass die Infusionen aus den Automaten aber leider viel zu oft lauwarm und bitter sind, müsste nun aber auch nicht sein. Geschmacksunterschiede selbst zwischen gleichartigen Maschinen und bei gleicher Grundsubstanz kommen vor, sind aber weniger abhängig von der Bauart, in jedem Fall aber von Einstellung und Wartung, die man den einzelnen Geräten angedeihen lässt, und für die die Aufstellerfirma zuständig ist.

Eine weitere Möglichkeit sich für lange Vorlesungen mit einem Muntermacher zu rüsten, sind die boomenden Coffee-to-go. Rund um universitäre Einrichtungen finden sich jede Menge Stehcafés bzw. Imbissläden, die Kaffee im Plastikbecher verkaufen, den man im Vorbeigehen einfach mitnimmt. Starbucks hat sich neben der "stationären" Versorgung darauf spezialisiert. Auch McDonald's bietet ihn an, ebenso wie die viele Bäckerei-Ketten, die sich in letzter Zeit als Versorgungsstellen für Snacks jeglicher Konsistenz, flüssig oder fest, etablierten. In den meisten Fällen schmeckt Kaffee tatsächlich nach Kaffee. Nachteil: Das haptische Erlebnis des Kaffeetrinken aus dem Plastikbecher oder dem "Schnabelhäferl" ist gewöhnungsbedürftig. Vor allem weil die Temperatur dessen, was da durch die kleine Öffnung der Plastikhaube kommt, oft derart hoch ist, sodass das Erlebnis auch das einer Brandblase auf Lippen und/oder Zunge miteinschließt. Aber: Wenn man's erwarten kann, hat man dafür lange etwas davon. Nach einer guten Stunde Vorlesung ist der Kaffee soweit und kann gefahrlos geschluckt werden. (Luzia Schrampf/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.10.2002)

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    montage: derstandard.at
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