Die Party als beliebtes Entlastungsventil

3. Oktober 2002, 11:16
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Eine Uni-Clubnacht im Wiener Palais Eschenbach eröffnete das Party-Semester für Studenten - DER STANDARD sah sich vor Ort um ...

"Bring deinen Körper auf die Party!" Dieser zur hohen Zeit der Neuen Deutschen Welle ausgegebene Hedonismusbefehl besitzt gut 20 Jahre nach seiner Erstausrufung mehr Aktualität denn je zuvor.

Gerade auch für Studenten gilt die Party als beliebtes Entlastungsventil angesichts verstopfter Hörsäle, Leistungsdrucks, WG-Lagerkollers sowie des Auftauchens genereller Sinnfragen rund ums Studieren: Habe ich mit den Fächern Kirgisisch und Weitspringen Zukunftschancen? Ist mein Studentenjob als Testschwitzer bei Axe eigentlich würdelos? Ist das Organespenden wirklich der einzige Weg zum selbst finanzierten Studium? Weiß Mutter, dass der Karton Grünerbs-Suppe von Maggi sich dem Ende neigt?

Solch drückende Gedanken erfordern Abstand, Entspannung ist angesagt. Neben den üblichen Freizeitmöglichkeiten bieten die der kommerziellen "Eventkultur" ergebenen Uni-Club-Nächte Möglichkeit zur Alltagsflucht. Im Palais Eschenbach findet jeden Freitag ein Studenten-Clubbing statt. Die Veranstalter wollen damit ein Publikum ansprechen, das "die Uni von innen kennt". Kontrolliert wird am Eingang deshalb der Studentenausweis. Der Eintrittspreis (sechs Euro) ist laut Selbsteinschätzung der Verantwortlichen "günstig".

Stefan, Betriebswirtschaftsstudent, sieht das anders. Er beklagt sich über die Getränkepreise und die vielen "g'spritzten Leut'". Unterschiede zu anderen Clubbings sieht er nicht: "Ein Studentenfest ist etwas, wo die Getränke nur einen Nasenrammel kosten. Das hier ist ein ganz normales Clubbing mit einem Studenten-Etikett. Ein glatter Schwindel für mich." Das Palais Eschenbach ist ein extravaganter, schicker Ort für mehrere Hundert Gäste. Neben einem großen Saal mit DJs gibt es kleinere Räume mit Sitzmöglichkeiten. Hier wird diskutiert und reingebraten.

Die Musik versucht es allen recht zu machen und entspricht demnach einer Berg-und-Tal-Bahn: Von den Red Hot Chili Peppers zu Opus in weniger als zehn Minuten? Kein Problem. Von Brimful of Asha von Cornershop zu We Will Rock You von Queen in derselben Zeit.

Die zahlreichen Security-Guards zeigen ordentlich heiße Luft im Ärmel, tragen einschlägige Bärte, sind aber unterbeschäftigt. "Bloß gegen Ende", meint einer, "kommt es vor, dass man dem einen oder anderen Gast am Weg zum Ausgang behilflich ist."

Das Publikum beginnt bei Schülern und endet bei einsamen Endzwanzigern, die so locker wirken, als seien sie zwar möglicherweise schon zweifache Doktoren, für einen Freundeskreis hat es aber noch nicht gereicht. Diesen zu erweitern trachtet auch Silvia (18) Schülerin, die mit ihren zwei Freundinnen "schon auch wegen den Männern da ist: Schreib das aber ja nicht!" Natürlich nicht.

Eine 24-jährige WU-Studentin geht mit ihren Freunden gerne auf solche Clubbings. Sie stört bloß, dass sie am Eintritt "Angaben zu ihrer Person machen muss, um von den Geschäftspartnern der Veranstalter erfasst zu sein. Aber als Wirtschaftsstudentin sollte ich das wohl nicht sagen", grinst sie. "Das Leben ist schließlich ein Kompromiss." (Karl Fluch/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 3.10.2002)

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    "Bring deinen Körper auf die Party!"

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