Neuer Patron bei France Télécom

3. Oktober 2002, 10:31
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Thierry Breton soll krisengeschüttelten Konzern retten - Der Sanierer wird es wohl nicht ganz billig geben

Paris - Noch fehlt die formale Bestätigung der französischen Regierung. Der Verwaltungsrat, in dem die Republik die Mehrheit hat, stimmte zu: Thierry Breton, Vorstand des Elektronikkonzerns Thomson Multimédia, wird den zurückgetretenen Präsidenten des krisengeschüttelten Telekomkonzerns France Télécom (FT), Michel Bon, ersetzen.

Der 47-Jährige genießt den Ruf eines Firmenretters: Er sanierte den Computerkonzern Bull und die auf Unterhaltungselektronik spezialisierte Thomson Multimédia in aussichtslos scheinenden Situationen. Seit seinem Abgang ist Bull allerdings wieder in den roten Zahlen; dasselbe gilt für den Freizeitpark Futuroscope in Zentralfrankreich, dem Breton am Beginn seiner Karriere vorstand.

Beste politische Kontakte

Seit den Futuroscope-Zeiten kennt er auch den aktuellen Premierminister Frankreichs, Jean-Pierre Raffarin. Dieser gab Breton offenbar von Beginn an den Vorzug für die Bon-Nachfolge. Doch der Jungpatron, der in seiner Jugendzeit erfolgreiche Hightech-Krimis schrieb und zum Freundeskreis von Staatspräsident Jacques Chirac zählt, ließ sich bitten: Zum einen verlangte er eine große operative Freiheit vom Mehrheitsaktionär (der Staat hält 55 Prozent der FT-Anteile); gleichzeitig muss die Regierung dem mit 70 Milliarden Euro verschuldeten Konzern finanziell - wohl mit einer Kapitalerhöhung von bis zu 15 Mrd. EURO - unter die Arme greifen. Dies gilt nicht zuletzt für das Salär Bretons: Während sich sein Vorgänger Bon von sich aus mit einem Jahressalär von rund 270.000 EURO begnügt hatte, strich Breton bereits bei Thomson 1,3 Mio. EURO jährlich ein - und beim riskanten FT-Job will er gehaltsmäßig sicher nicht stagnieren.

Neben Bon dürfte auch FT-Finanzdirektor Jean-Louis Vinciguerra den Hut nehmen müssen. Sein - noch nicht bestimmter - Nachfolger hat eine mindestens so zentrale Aufgabe wie der ausgewiesene Firmensanierer Breton: Das Problem von FT liegt weniger im gut gehenden Betrieb, sondern bei der Verschuldung - der höchsten aller Firmen weltweit. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 3.10.2002)

Von Stefan Brändle aus Paris
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    Thierry Breton eilt der Ruf des Firmenretters voraus.

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