Afghanistan: Hekmatyar scheitert bei Bildung einer Front gegen USA

2. Oktober 2002, 19:37
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Verhandlungen wegen Widerstandes einiger Talibanführer fehlgeschlagen - Radikalislamische Gruppen bleiben weiter uneins

Islamabad- Der afghanische Milizenführer und frühere Ministerpräsident Gulbuddin Hekmatyar ist mit dem Versuch gescheitert, eine breite Oppositionsallianz radikalislamischer Gruppen gegen die US-Truppen im Land zu schmieden. Die Verhandlungen seien wegen des Widerstands einiger Talibanführer fehlgeschlagen, teilte Hekmatyars Partei Hesb-e-Islami in einer Erklärung mit, die am Mittwoch von der Nachrichtenagentur AIP verbreitet wurde. Die Gruppierung erneuerte ihre Forderung nach einem sofortigen und bedingungslosen Rückzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan.

Hekmatyar hatte in letzter Zeit mehrfach zum religiös motivierten Kampf gegen die ausländischen Soldaten aufgerufen. Die USA bezeichnete er als "Mutter des Terrorismus" und drohte der von Washington unterstützten afghanischen Regierung. Der Milizenführer und seine Gefolgsleute werden von der internationalen Schutztruppe ISAF verdächtigt, hinter einer Serie von Bombenanschlägen während der vergangenen Monate in Kabul zu stecken.

Hekmatyar hatte während des Kampfes gegen die sowjetische Besatzung 1979 bis 1989 eine wichtige Rolle gespielt. Damals war der Paschtune ein enger Verbündeter der USA. Nach dem Abzug der Roten Armee führte Hekmatyar von 1992 bis 1996 einen Bürgerkrieg gegen andere Widerstandsgruppen. Er gilt als Hauptverantwortlicher für die Zerstörung der Hauptstadt Kabul. Schließlich setzte er seine Ernennung zum Premier durch den damaligen Präsidenten Burhanuddin Rabbani durch. Nach der Eroberung Kabuls durch die Taliban floh er in den Iran, von wo er vor einigen Monaten verschwand. Sein Aufenthaltsort ist seither unbekannt. Nach Presseberichten soll Hekmatyar inzwischen erneut seine Stützpunkte in sämtlichen Landesteilen Afghanistans aufgebaut haben. (APA)

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    Gulbuddin Hekmatyar

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