"Da gehe ich nicht mehr hin"

2. Oktober 2002, 19:19
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Verfassungsrechtler Heinz Mayer im STANDARD-Interview über das Verhältnis Universität-Medien

Über mangelnde mediale Aufmerksamkeit braucht Verfassungsrechtler Heinz Mayer nicht zu klagen. Er ist ein gefragter Interviewpartner. Warum das so ist, erklärt er im Gespräch mit Peter Mayr. Freilich, manche Fernsehsendung meidet auch er.



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Standard: Haben Sie noch genug Zeit für Ihre Studenten?

Mayer: Sicher. Die sind ja das Erfreulichste an der Uni.

STANDARD: Auf wie viele Interviews kommen Sie im Monat?

Mayer: Das ist unterschiedlich. Manchmal sind es vier am Tag, und dann ist wieder drei Wochen gar nichts.

STANDARD: Sind das immer Fragen zur Verfassung?

Mayer: Viele Journalisten halten fast jede rechtliche Frage für eine solche. Die meisten betreffen aber das Verwaltungsrecht - und gehören dadurch eh mir, irgendwie.

STANDARD: Warum werden Sie so oft befragt?

Mayer: Da gibt es eine Eigendynamik. Wenn Journalisten sich gut bedient fühlen, kommen sie wieder.

STANDARD: Außerdem sind Sie leicht erreichbar?

Mayer: Stimmt.

STANDARD: Reden Sie prinzipiell mit allen Medien?

Mayer: Ich war einmal in "Willkommen Österreich". Da gehe ich nicht mehr hin. Danach war ich ehrlich überrascht, wie viele Leute das sehen und vor allem wer. Unglaublich! In der gleichen Sendung war als Stargast Freddy Quinn.

STANDARD: Wie ist das Verhältnis zwischen Universität und Medien?

Mayer: Ich würde mir wünschen, dass die Öffentlichkeit mehr über die Unis erfährt. Schauen Sie sich die Berichterstattung über das Universitätsgesetz 2002 an. Es wurde berichtet, aber in die Tiefe ist man nicht gegangen.

STANDARD: Müsste sich da nicht auch die Universität mehr bemühen?

Mayer: Sie bemüht sich, kann es aber zum Teil nicht. Für eine umfassende Informationspolitik an großen Unis müssten die Universitätslehrer den Rektor besser unterstützen. Man bräuchte wahrscheinlich auch mehr journalistisch qualifizierte Mitarbeiter an den Hochschulen.

STANDARD: Könnten Seminare helfen?

Mayer: Das ist die Frage.

STANDARD: Herrscht ein tiefes Misstrauen gegenüber Medien?

Mayer: Natürlich gibt es das. Das sind die Puristen. Die glauben, dass jede ihrer Aussagen so wichtig ist, dass sie wortgetreu rüberkommen muss. Damit verkennt man aber die Funktion der Medien.

STANDARD: Können nur ein paar Professoren Antworten für Journalisten liefern?

Mayer: Das weiß ich nicht. Mir sagen Journalisten gelegentlich, sie schätzen, dass sie eine verständliche Antwort auf ihre Fragen bekommen. Es gibt auch Kollegen, die es unter ihrer Würde finden, mit Journalisten zu reden.

STANDARD: Weil die Reputation darunter leidet?

Mayer: Wenn man sich als Kasperl geriert oder mit Skurrilitäten in die Öffentlichkeit geht, kann es schon sein. Eher passiert, dass man in parteipolitisches Hickhack gerät.

STANDARD: Man wird schnell Lagern zugerechnet.

Mayer: Ja. Das geschieht schnell. Etwa bei der Sallmutter-Demontage. Das habe ich kritisiert. Daraufhin hat es geheißen: Der Mayer ist für den Sallmutter. Ich habe mir ja auch nie gedacht, dass ich ihm einmal Recht gebe. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.10.2002)

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