Ein Weichei gegen Saddam?

2. Oktober 2002, 19:22
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Der Chef der UNO-Waffeninspektoren sei viel zu naiv um die Entwaffnung des Irak zu kontrollieren, warnt ein Landsmann im Kommentar der anderen

Der Chef der UNO-Waffeninspektoren, der Schwede Hans Blix, ist viel zu naiv und schwach, um die Entwaffnung des Irak kontrollieren zu können, warnt ein Landsmann.


Der Chef der UNO-Waffeninspektoren und der Irak haben sich vorläufig auf die Bedingungen für neue Inspektionen geeinigt, die bereits in zwei Wochen beginnen könnten. Aber der Erfolg dieser Vereinbarung hängt genauso von den Personen ab, die diese Inspektionen durchführen werden, wie von der Frage, wo, wann und wie inspiziert wird.

Hans Blix wird die Mission leiten, die Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen suchen, finden und zerstören soll. Ich kenne Blix seit 40 Jahren. Er war 1960 mein Stellvertreter, als ich die Jugendorganisation der schwedischen Liberalen führte. Ich habe seither seine Laufbahn genau verfolgt. Er war ein Jahr lang schwedischer Außenminister, später Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEO) in Wien.

Blix ist ein freundlicher Mensch mit Sinn für Humor. Politisch aber ist er schwach und leicht zu täuschen. Ich kann mir wenige Europäer vorstellen, die für eine Konfrontation mit Saddam Hussein schlechter geeignet sind.

Die Welt hat genügend Warnungen über seine Schwächen erhalten, denn die Liste seiner Fehlschläge ist lang. Als Chef der IAEO vor dem Golfkrieg von 1991 versicherte Blix nach mehreren Inspektionen ungeniert, dass nichts Bedrohliches im Irak passiert. Er lieferte den Persilschein, den Saddam benötigte, um seine nuklearen Anlagen und Ziele zu verbergen.

Wir wissen seither ohne jeden Zweifel, dass Saddam davon besessen ist, sich Massenvernichtungswaffen zu beschaffen - chemische und biologische Gefechtsköpfe sowie Atombomben und Raketen. Dies haben frühere irakische Atomwaffenexperten, die in den Westen geflüchtet sind, bestätigt. Sie haben uns von Saddams entschlossenen und teuren Anstrengungen berichtet, diese Waffen in die Hände zu bekommen. Es ist heute klar, dass Saddam nur ein Jahr von seiner ersten Atombombe entfernt war, als der Golfkrieg ausbrach.

Nach dem Krieg haben UNO-Inspektoren riesige Mengen an chemischen und biologischen Gefechtsköpfen sowie Anlagen zur Produktion von Atomwaffen gefunden und zerstört. Trotz seines Versagens als IAEO-Chef war Blix wieder für die Waffeninspektoren verantwortlich, diesmal gemeinsam mit einem anderen Schweden, Rolf Ekeus.

Naiver Völkerrechtler

Blix ist naiv und weiß wenig über technische Details, sein Fachgebiet ist Völkerrecht. Daher wird er leicht in die Irre geführt. Selbst nach dem Golfkrieg erkannte er nicht, dass die irakischen Beamten, die der UNO wieder versicherten, sie hätten nichts zu verbergen, Lügner waren. Blix glaubte, dass der Irak überhaupt kein Atomwaffenprogramm besaß. David Kay, der wahrscheinlich beste Waffeninspektor, bekräftigte immer wieder, dass man den Irakis nicht trauen dürfe. Doch Blix kritisierte ihn für diese Haltung. Man muss den offiziellen Informationen glauben, war seine implizite Botschaft.

Der Wendepunkt kam, als Kay Inspektionen von verdächtigen Gebäuden vornahm, ohne die Irakis vorher zu informieren. Diese neue, aggressive Inspektionsstrategie hatte dramatische Konsequenzen: Kay entdeckte belastendes Material über die irakischen Nuklearambitionen. Demnach hätte Bagdad nur noch 12 bis 18 Monate für den Bau einer A-Bombe gebraucht.

Diese Entdeckung mündete in einer Konfrontation auf einem Parkplatz in Bagdad. 200 irakische Soldaten und ein hinbeorderter Pöbel umstellten die UNO-Autos. Die Belagerung dauerte vier Tage und Nächte, und in dieser Zeit übermittelten Kay und seine Kollegen entscheidende Dokumente per Fax und Satellitentelefon an den Westen.

Blix war von Anfang an gegen die Razzia, doch zum Glück unterstützte Ekeus die Inspektoren während der Belagerung. Ich kenne einige Experten für das irakische Waffenprogramm, die immer wieder die beiden Schweden vergleichen: "Ekeus ist großartig, und Blix ist schrecklich."

Als die derzeitige UNO-Waffeninspektorenbehörde 1999 geschaffen wurde, waren Ekeus und Blix Kandidaten für die Leitung. Freunde des Irak in Paris und Moskau kontaktierten Bagdad, um Saddams Präferenz zu erfragen. Frankreich und Russland schlugen Blix vor, und überraschenderweise hat ihn die Clinton-Regierung akzeptiert.

Saddams chemische und biologische Waffen sowie seine Entschlossenheit, sich Atomwaffen zu beschaffen, sind eine Gefahr für die Welt. Der Diktator könnte diese Waffen selbst verwenden oder sie Terrororganisationen zur Verfügung stellen. Die Frage von Krieg oder Frieden hängt von einem Mann ab, der öfters vom irakischen Regime über den Tisch gezogen wurde.

Die Bush-Regierung kennt wohl Blix' Schwächen. Deshalb werden die USA wahrscheinlich nicht zulassen, dass er und seine Inspektoren von Saddam erneut getäuscht werden. Wie immer sich die Krise weiter entwickelt, hat die UNO ihre Verpflichtungen verletzt, indem sie ein Weichei Inspektoren führen lässt, die sich gegen den Rohling Saddam behaupten müssen. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2002)

Von Per Ahlmark

Der Autor war von 1976 bis 1978 schwedischer Vizepremier.
© Project Syndicate

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    Hans Blix (li.) traf bei den Wiener Verhandlungen auf Saddams Beauftragten Amir al-Saadi. Der Autor fürchtet, dass Blix sich wieder über den Tisch ziehen lassen hat.

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