Feiner Freund Fini

2. Oktober 2002, 19:38
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Stimmungsschwankungen in Politik und bei deren Exponenten am Beispiel des Verhältnisses zwischen Italien und Österreich - Von Christoph Prantner

Stimmungen schwanken, Launen wechseln - in der Politik und erst recht bei deren Exponenten. Ein gutes Beispiel dafür ist das italienisch-österreichische Verhältnis. Vor einer Woche noch konnten sich italienische wie österreichische Staatsspitzen in Rom vor lauter guter Laune kaum noch beruhigen. Jetzt aber ist Schluss mit lustig. Seit Gianfranco Fini in Bozen listig grinsend sein "Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande" herumgezeigt hat, ist man in Wien - vor allem in der Präsidentschaftskanzlei - konsterniert. Fini hat sich als feiner Freund erwiesen und seinen Orden prompt benutzt, um in Südtirol die Volksgruppen gegeneinander aufzuwiegeln.

Natürlich konnte das niemand wissen, als in Wien ein so genannter Ordensaustausch beschlossen wurde. Andererseits hätte man ja auch die "Südtiroler Freunde" zurate ziehen können. SVP-Obmann Siegfried Brugger musste selbst am Ballhausplatz anrufen, um überhaupt von der Ehrung zu erfahren. Er hätte den Diplomaten schon im Vorfeld sagen können, dass selbst ein "Courtoisie-Orden" für einen Politiker problematisch ist, der allein mit seinem bereits lange bekannten und bewusst gesetzten Auftritt in Bozen böses Blut in Wallung bringt.

Andererseits: Die Peinlichkeit - geht das Ehrenzeichen am Band qua Statut doch nur an jene, die sich unter Einsatz ihres Lebens um die Republik Österreich verdient gemacht haben - hat auch ihr Gutes. Zumindest für Österreich hat sich der vorderhand freundlich-verbindliche Fini enttarnt. Trotz seiner jüngsten Entschuldigungen für die Verbrechen Mussolinis, seiner Bekenntnisse zu Europa, seiner Wandlungen vom Neo- zum Postfaschisten - der alerte Vizepremier ist und bleibt ein Faschist. Diesen Begriff wollte er für seine Gesinnung noch niemals ablehnen, seine ideologische Grundierung hat er noch nie explizit verleugnet. Und dies sollte diese abseitige Episode nicht nur den Österreichern zeigen. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2002)

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    Gianfranco Fini bei einer Rede auf der Schweizer Expo.02 im September.

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