Krebskranke NATO-Soldaten klagen gegen US-Hersteller von Radargeräten

2. Oktober 2002, 18:10
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Bei den Firmen handelt es sich um Raytheon Company, General Electric Corporation, ITT-Gilfillan Inc. und Lucent Technologies

Berlin - Krebskranke Soldaten mehrerer NATO-Armeen werden am kommenden Dienstag vor US-Gerichten amerikanische Herstellerfirmen von Radargeräten auf Schadensersatz in mehrstelliger Millionenhöhe verklagen. Das teilten ihre Rechtsanwälte Reiner Geulen und Remo Klinger am Mittwoch in Berlin mit. Die beiden Anwälte vertreten mehr als 450 Soldaten, die zwischen 1958 und 1994 an amerikanischen Radargeräten gearbeitet haben und durch radioaktive Verstrahlung an Krebs erkrankten. Mehrere Soldaten seien bereits tot. Bei den Firmen handelt es sich um Raytheon Company, General Electric Corporation, ITT-Gilfillan Inc. und Lucent Technologies.

Diese Unternehmen hätten unzureichend über die Strahlengefahren ihrer Geräte informiert. Die Strahlenröhren seien ohne Schutz in die Geräte eingebaut worden. Die Anwälte hoffen auf ein schnelles Verfahren. Solche Produkthaftungsklagen könnten aber dennoch Jahre dauern, hieß es. Geulen und Klinger haben ferner ein erstes persönliches Gespräch mit dem deutschen Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) geführt, in dem es um Rentenzahlungen für verstrahlte Bundeswehrsoldaten ging. Es sei ein ermutigendes Gespräch gewesen, sagte Klinger.

Im März hatten sie das Berliner Verteidigungsministerium auf eine Gesamtforderung von mehr als 100 Millionen Euro verklagt. Die Bundeswehr hat nach Darstellung der beiden Anwälte zufolge jahrzehntelang systematisch Vorschriften zum Schutz ihrer Soldaten vor Röntgenstrahlen ignoriert. Sie warfen Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) "schäbiges Verhalten" gegenüber den Soldaten vor, weil er sein Versprechen einer großzügigen und schnellen Entschädigung der Opfer nicht eingehalten habe. (APA/dpa)

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