Koks statt Keks in Ottakring

3. Oktober 2002, 15:12
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Mutmaßlicher Drogenhändlerring zerschlagen - Elf Personen verhaftet - 16 Kilogramm Heroin und Kokain beschlagnahmt

Wien - Einer der größten Schläge gegen die Drogenmafia in Wien, elf Personen verhaftet, 16 Kilo Heroin und Kokain sichergestellt, dem illegalen Drogenhandel dadurch 1,8 Millionen Euro weggeschnappt - mit dieser Information würde Roland Horngacher, der neue Chef des neuen Wiener Kriminalamtes, die Information am liebsten auch schon wieder beenden. Kriminaltaktisch spreche noch zu viel gegen Preisgabe weiterer Details. Auch Dealer lesen Zeitung. Na gut, noch eine Zusatzinfo: Das Suchtgift stammt - aus dem Ausland.

Leugnen zwecklos

Oberstleutnant Georg Rabensteiner von der Polizei Wien-Ottakring hat ein nicht so enges Verhältnis zur Mutter der Porzellankiste: Der Hauptverdächtige, ein 30-jähriger Nigerianer, sei vergangenen Samstag in einem Fastfoodrestaurant im Bereich der U3-Station Ottakring festgenommen worden. Leugnen sei spätestens nach Inspektion der Umhängetasche des Verdächtigen zwecklos geworden. In Seifenpackungen und Keksrollen war nicht drinnen, was draufstand. "Die Menge von fast 800 Gramm Heroin auf einen Schlag hat uns doch ein wenig überrascht", so Rabensteiner. Als danach nicht weit entfernt bei einer Hausdurchsuchung noch mehr als 15 Kilo Suchtgift gefunden wurde, "war uns klar, dass wir einen größeren Treffer gelandet haben", resümiert der Kriminalist.

Alle elf Verdächtigen sind Asylwerber, zehn kommen vom afrikanischen Kontinent, eine Frau, die inzwischen auf freien Fuß entlassen wurde, ist Osteuropäerin.

Die Wohnung, die bereits mehrere Wochen observiert worden war, dürfte ausschließlich als "Drogenbunker" gedient haben. Mit fixen "Geschäftszeiten", zu denen ein reges Kommen und Gehen geherrscht habe. Unmittelbar nach der Verhaftung des mutmaßlichen Haupttäters postierte Rabensteiner in der Wohnung "ein paar starke Beamte", die mutmaßliche Abnehmer mit Handschellen willkommen hießen.

Zurzeit wird das sichergestellte Suchtgift im Labor der Kriminaltechnik analysiert. So soll festgestellt werden, woher das Kokain und das Heroin stammen. Vorletzte Station der Lieferung dürfte Frankreich oder Belgien gewesen sein, jedenfalls lassen die Keksverpackungen darauf schließen.

Neues Abkommen

Dass die Drogenmafia den erlittenen Verlust wegstecken wird, ist für die Kriminalisten eine Binsenweisheit. Um gegen die weltweiten Netzwerke, deren Produzenten vor allem in Südamerika (Koka) und Asien (Opium) beheimatet sind, vorzugehen, bedarf es globaler Strategien. Einen Schritt in diese Richtung unternahmen Mittwoch in Wien Regierungsvertreter von Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua sowie Innenminister Ernst Strasser mit einem internationalen Abkommen. Die mittelamerikanischen Staaten wollen unter anderem die Transportwege der Drogenmafia unterbrechen. Die Kokainmenge, die jährlich aus Südamerika geschmuggelt wird, wird auf 700.000 Tonnen geschätzt. Deren "Handelswert": 5,07 Milliarden Euro. Noch im Oktober wird außerdem ein heimischer Experte der Polizei als Ansprechpartner seinen Dienst bei der österreichischen Botschaft in Caracas in Venezuela antreten.(Michael Simoner/DER STANDARD, Printausgabe, 3.10.2002)

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