Stadt Wien sucht Anreize zur Abfallvermeidung

2. Oktober 2002, 16:19
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Österreich liegt mit seinen Müllbergen weit über dem EU-Schnitt

Wien - Die EU erstickt im Müll. Jährlich werden - inklusive landwirtschaftlicher Abfälle - 2,5 Mrd. Tonnen Mist produziert. Jeder einzelne EU-Bürger sorgt jährlich für 550 Kilogramm an so genannten Siedlungsabfällen. Österreich liegt noch weit über diesem EU-Schnitt: Die Bewohner der Alpenrepublik produzieren jeweils 600 bis 700 Kilogramm pro Jahr. Umweltstadträtin Isabella Kossina (S) will nun neue Initiativen zur Müllvermeidung setzen, um zumindest die Zuwächse in den Griff zu bekommen.

Die Bundeshauptstadt liegt schon jetzt besser als der Rest Österreichs, betonte Kossina am Mittwoch in einer Pressekonferenz anlässlich des internationalen Kongresses "Vermeidung kommunaler Abfälle". Knapp mehr als 500 Kilo Abfall würden die Wiener pro Kopf und Jahr produzieren, allerdings mit steigender Tendenz: Innerhalb von zehn Jahren ist mit einem Zuwachs von 19 Prozent zu rechnen. Kossina will diesen Wert durch Abfallvermeidung auf 13 Prozent drücken.

"Der Abfall, der nicht anfällt, ist der beste Abfall"

"Jedes Kilogramm, das vermieden werden kann, ist ein gutes Kilogramm", betonte die Stadträtin. Anreize dafür will sie in einer "Kombination aus gesetzlichen und psychologischen Maßnahmen" schaffen. Vorschreiben will die Stadträtin etwa ein Pfand auf Einweggebinde, sollte die SPÖ an der nächsten Bundesregierung beteiligt sein. Auch bei den Produzenten will sie ansetzen, denn: "Der Abfall, der nicht anfällt, ist der beste Abfall."

Bei den Verbrauchern, die sich auf Grund des steigenden Wohlstands auch mehr materielle Güter leisten könnten, soll die Werbetrommel für immateriellen Konsum - vom Theaterbesuch bis zum Wellness-Aufenthalt - gerührt werden. In einer neuen Abfallvermeidungskampagne sollen die besten Ideen zur Verringerung des Müllaufkommens gesucht und mit einem internationalen "Waste-Award" belohnt werden. Im Jahr 2003 stehen im Stadtbudget fünf Mill. Euro für Müllvermeidungsprojekte zur Verfügung.

Wien könne dabei von anderen europäischen Ländern lernen. Kossina verwies unter anderem auf das Pfandsystem in Norwegen und Finnland sowie Müllvermeidungsaktionen in München oder die australische Stadt Sydney, wo bei den Olympischen Spielen im Jahr 2000 die Müllmenge gegenüber Altlanta 1996 um 50 Prozent reduziert werden konnte.

Maßnahmen forderte die Politikerin auch auf EU-Ebene. Sie verwies auf ein Erkenntnis des Europäischen Gerichtshofes, durch den der Abfallverwertungsbegriff erweitert worden sei. Dem Handel bis Müll in Länder mit weniger strengen Auflagen sei damit Tür und Tor geöffnet, warnte Kossina. "Umweltdumping" sei zu befürchten.

Kossina forderte daher die höchsten Umweltauflagen für alle Anlagen, in denen Müll verwertet wird. Ein besonderer Dorn im Auge ist ihr die Abfallverbrennung in Zementanlagen. Es müssten dort die gleichen Grenzwerte wie für alle anderen Verbrennungsanlagen gelten, "sonst kommt es zu einer Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der Umwelt". (APA)

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