Peter Weinmeister - Der ewige Stellvertreter

2. Oktober 2002, 15:00
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Sonderparteitag knapp drei Monate vor den nächsten Wahlen - Grazer FPÖ-Chef auf dem Prüfstand

Graz - In der Grazer Stadtpolitik ist der am 1. Juli 1946 geborene Dr. Peter Weinmeister so etwas wie ein "ewiger Stellvertreter". Der Jurist und Betriebswirt hat seit den achtziger Jahren mehrere Anläufe unternommen, um Bürgermeister zu werden. Einmal - 1998 - war er seinem ehrgeizigen Ziel am nächsten, als er mit der FPÖ auf 27,1 Prozent der Stimmen kam und damit sogar den legendären Alexander Götz überrundete. Ironie eines Politikerschicksals: Beim kommenden Sonderparteitag am 11. Oktober könnte er ausgerechnet von der eigenen Partei "gekippt" werden.

Weinmeister hat sich innerhalb des Magistrats beharrlich in die Höhe gearbeitet. 1974 trat er in den Verwaltungsdienst beim Magistrat ein. Parallel dazu verlief die politische Karriere in der FPÖ. Bereits 1970 war er Mitglied in der Landesleitung der steirischen FPÖ, Vorstandsmitglied des Freiheitlichen Akademikerverbands und einer illustren Runde wie des "Verein zur Förderung fortschrittlicher Gemeindepolitik". Am 16. 1. 1986 wurde Peter Weinmeister Stadtrat, am 1. 3. 1988 Bürgermeisterstellvertreter. Zu dieser Zeit gab es noch zwei "Vizes" in der Stadt.

Seinen größten politischen Erfolg fuhr Weinmeister bei den Gemeinderatswahlen im Jänner 1998 ein. Er pushte damals die Stadt-FP nach einem massiven Ausländer- und Anti-Bettler-Wahlkampf auf 27,1 Prozent der Stimmen. Die FPÖ war Wahlgewinnerin und seither zweitstärkste Kraft in Graz. Heute ist die Stadtgruppe davon meilenweit entfernt - bei den Gemeinderatswahlen am 26. Jänner 2003 werden ihr von allen Meinungsforschern Schwindel erregende Abstürze prognostiziert.

Schuld daran sind mehrere Faktoren: Zum einen hatten die bundespolitischen FPÖ-Turbulenzen Auswirkungen auf die Grazer FPÖ, zum anderen brachte der Stadt-FP-Chef "seine" Liste für die Gemeinderatswahlen nicht mehr durch. Die "Knittelfelder Rebellen" übernahmen das Kommando. Zuletzt sah sich Weinmeister mit Kritik von allen Seiten, aber vor allem aus den eigenen FP-Reihen konfrontiert. Tabus fielen gleich reihenweise. Eine FPÖ-Stadträtin stellte sogar den Vergleich mit einer "Fetzenpuppe" an, die vermutlich bei den Gemeinderatswahlen "verbrannt" würde. Der Obmann der umstrittenen Grazer Bürgerwehr, für die sich Weinmeister so ins Zeug gelegt hatte, ging ebenfalls auf deutliche Distanz.

Alles in allem zeigt sich, dass selbst der verschärfte inhaltliche Kurs, den Peter Weinmeister in den vergangenen Wochen fuhr, kein Rezept war, um Geschlossenheit in die eigenen Reihen zu bringen: Seine mitunter Kopfschütteln auslösenden Attacken, zweifelhafte Attribute für Graz als "Drogenhochburg" und andere Positionen trugen eher dazu bei, den FP-Chef zu isolieren. "In so einer Situation kann man keinen Wahlkampf führen", hieß es zuletzt, als sich die Anzeichen für das nahende Ende mehrten. Am 11. Oktober wird Gewissheit herrschen. (APA)

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