ORF kürzt Autoren-Honorare für Hörspiele um die Hälfte

2. Oktober 2002, 14:18
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ORF bezahlt nur mehr für das Senderecht - Ruiss: "Ein sittenwidriger Angriff auf das Urheberrecht"

Hörspielautoren wurden in den letzten Tag vom ORF darüber verständigt, nur mehr die Hälfte des bisherigen Honorars für ihre Werke zu erhalten. So heißt es in einem offenen Brief der IG Autoren und Grazer Autorenversammlung an ORF-Stiftungsrat, ORF-Publikumsrat und Gewerkschaft. Begründet wird dieser Schritt damit, dass wegen Sparmaßnahmen ab sofort nur mehr das Senderecht, nicht aber das Werkrecht abgegolten werden könnte. Gerhard Ruiss (IG Autoren) ortet "einen sittenwidrigen Angriff auf das Urheberrecht".

"Der lange Abschied des ORF vom Hörspiel"

"Das ist der lange Abschied des ORF vom Hörspiel", sagte Ruiss. Bisher erhielten Autoren für vom ORF produzierte Hörspiele sowohl das Sende-, als auch das Werkrecht abgegolten. Künftig erhalten sie nur mehr ein Sende-Honorar. Wenn jedoch ein Verlag im Besitz des Werkrechtes ist, wird dieses auch weiterhin bezahlt. Ruiss wertet diesen Umstand als "rechtliche Absurdität. So kann sich der ORF nur dank seines Marktmonopols in Österreich verhalten. Er weiß, dass die Autoren sonst kaum Abnehmer finden". Europaweit sei eine solche Haltung einzigartig.

ORF argumentiert Kürzung mit "wirtschaftlicher Situation"

In einer Stellungnahme seitens der Öffentlichkeitsarbeit des ORF Radio wird die Kürzung bestätigt: "Der ORF ist derzeit auf Grund der wirtschaftlichen Situation zum Sparen angehalten. Davon sind alle Bereiche betroffen". Weiter heißt es: "Als Alternative wäre nur eine Reduktion der Produktionen verblieben, was nicht im Sinne der Autoren gewesen wäre". Und: "Er (der ORF, Anm.) verzichtet allerdings künftig auf Leistungen, die mit dem so genannten Werkrecht verbunden waren". Bei diesen "Leistungen" handelt es sich um diverse Verwertungs-Modalitäten wie etwa ein Recht auf wiederholte Ausstrahlung oder ein Zustimmungsrecht bei Ausstrahlung in anderen Sendeanstalten.

"Unerklärlich"

Ruiss sieht in der neuen Honorierung eine "Umverteilung zu Gunsten des ORF und den Versuch, das Recht auf Abgeltung aufzuweichen". Durch diese Maßnahme würde den Autoren zudem die Existenzgrundlage entzogen, denn ein nicht unbeträchtlicher Teil ihres Einkommens setze sich aus Sende- und Werkrechten zusammen. Dass Stiftungsrat, Publikumsrat und Gewerkschaft dieser Neuerung zugestimmt hätten, empfindet Ruiss als "unerklärlich". (APA)

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