AUA-Tickets werden teurer

2. Oktober 2002, 14:04
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Airline will ab April 2003 Buchungsgebühr verrechnen - Reisebüros ziehen nach

Wien - Die Austrian Airlines (AUA) wird ab April 2003 für Flugbuchungen über eigene Verkaufs- und Servicebüros, die AUA-Call Center und das Internet eine Ticketgebühr in der Höhe eines "ein- bis zweistelligen Eurobetrags" verlangen, teilte die AUA am Mittwoch mit. Zusammen mit der geplanten Senkung der Flugticket-Provisionen für Reisebüros von sieben auf fünf Prozent - ebenfalls ab April 2003 - soll damit eine Aufwandsreduktion von insgesamt 6 Mill. Euro für das Jahr 2003 erreicht werden, sagte AUA-Sprecher Johannes Davoras zur APA.

4 Mill. Euro davon will die Airline durch die Provisionssenkung bei den 300 Partner-Reisebüros erzielen, 2 Mill. Euro durch die geplante Gebühr für Buchungen bei der AUA (sogenannte Ticket Service Charge), die je nach Buchungsform und -aufwand gestaffelt werden soll. Internetbuchungen und die Ausstellung elektronischer Tickets werden billiger sein, Buchungen übers Telefon oder Papiertickets teurer, sagte Davoras. Die genaue Höhe der Gebühr, die pro Ticket gelte, stehe noch nicht fest.

Den Reisebüros bleibe es selbst überlassen, diese Gebühr zu verlangen. Sollte ein Reisebüro die Änderungskündigung der AUA nicht bis Ende Oktober unterschreiben, könne es keine AUA-Tickets mehr verkaufen, stellte Davoras klar. Auch Reisebüros werden Gebühren erhöhen

Die österreichischen Reisebüros werden auf die geplante Kürzung ab April 2003 ebenfalls mit einer Erhöhung der Gebühren für Flugtickets reagieren. "Wir müssen eine Gebühr einheben, weil wir sonst nach der Kürzung der Provisionen durch die AUA nicht überleben", betonte der Obmann des Fachverbands der Reisebüros in der Wirtschaftskammer Österreich, Edward Gordon. Dabei sei noch offen, ob es sich dabei um die Einführung einer Beratungsgebühr oder um eine höhere Ausstellungsgebühr für das Ticket handeln werde.

Mit der AUA werde derzeit über eine Verminderung der bürokratischen Belastung bei der Ticketausstellung verhandelt: "Es wäre für die Reisebüro wichtig, die Gebühren über einen Abrechnungsvorgang bei der Ticketausstellung einheben zu können".

Dass Flugtickets insgesamt durch die neue Vertriebsstruktur der AUA teurer werden, glaubt Gordon nicht: "Ich rechne im kommenden Jahr insgesamt mit einer Preissenkung bei Flugtickets, weil die großen Carrier unter dem Druck der immer stärker werdenden Billigairlines ihre Flugtarife senken müssen".

Kritik an Austrian Airlines

"Wir beraten derzeit, in welcher Form wir auf die Provisionskürzung durch die AUA reagieren können", sagte der Präsident des österreichischen Reisebüroverbands (ÖRV), Günther Arlow, zur APA. Die geplante Kürzung habe zu einer "sehr starken Frustsituation" bei den Reisebüros geführt. Der ÖRV habe zwar Verständnis für die geplanten Kosteneinsparungen bei der AUA, aber nicht dafür, dies "nur auf dem Rücken des Vertriebs" auszutragen, betonte Arlow.

Erst Anfang 2000 seien die Provisionen durch die AUA von damals neun auf sieben Prozent gekürzt worden, was zu einem Verlust von bis zu 29 Prozent der Erträge geführt habe. Mit der nun geplanten Kürzung der Provision auf fünf Prozent würden die Reisebüros bis zu 22 Prozent der Erträge verlieren.

Heimischer Markt in der Übergangsphase

"Wir sind im Sinne eines gleich bleibend hohen Servicestandards gezwungen, Service- bzw. Ticketinggebühren vom Endverbraucher einzuheben", meint auch Verkehrsbüro-Vorstand Norbert Draskovits.

"Österreich ist in einer Übergangsphase und wird schrittweise Servicegebühren einführen", erklärte AMEX-Generaldirektor Ludwig T. Reisinger. In einigen europäischen Ländern - etwa in England - komme ein Nettopreissystem zur Anwendung, in dem keine Kommission seitens der Airlines verlangt werden, aber dafür sämtliche Reisebüro-Serviceleistungen vom Endverbraucher bezahlt werden. "Die österreichischen Reisebüros haben sich gegen eine sofortige Einführung des Nettosystems ausgesprochen, um die Belastung für die Konsumenten möglichst gering zu halten", so Reisinger. (APA)

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