MyElectric drängt nach Ostösterreich

2. Oktober 2002, 18:54
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Salzburg AG-Tochter will nach Liberalisierung auch im Gasbereich reüssieren - Deutsche Ruhrgas als potenten Partner angelacht

Wien - Der in Salzburg ansässige Stromanbieter MyElectric geht in Ostösterreich verstärkt auf Kundenfang, nun auch im Gas. Als großen Bruder hat sich das Unternehmen den deutschen Gasriesen Ruhrgas angelacht. Dieser wird künftig 25,1 Prozent an MyElectric halten, knapp 55 die Salzburg AG, 20 der Verbund. Über den Einstieg der Deutschen hatte DER STANDARD schon am Montag exklusiv berichtet.

Der Ruhrgas-Deal wird von den Salzburgern damit begründet, dass man für die Ausweitung der Österreich-Aktivitäten einen ähnlichen potenten Partner wie die heimische OMV benötige. Wenig glücklich mit dem Deal ist die Energie AG Oberösterreich, die 26 Prozent an der Salzburg AG hält, den Ruhrgas-Einstieg aber nicht verhindern konnte.

Am Mittwoch hat MyElectric zugleich das erste alternative Gaslieferangebot vorgelegt, mit Einsparungen von gut fünf Prozent. Ein Wiener Durchschnittshaushalt erspare sich beim Gas 40 Euro im Jahr, wer Gas und Strom im Paket bezieht, insgesamt 65 Euro. Ein typischer Privatkunde in Niederösterreich (Einfamilienhaus mit einem Verbrauch von 2500 Kubikmeter erspare sich 64 Euro, im Bündel mit Strom 89 Euro.

Diese Preise gelten für ein Jahr, unabhängig davon, wie sich der Gaspreis entwickelt. Auch nach der Marktöffnung gilt weiterhin eine Berechnungsformel für den Gaspreis. Dieser folgt der Entwicklung bei Rohöl, Heizöl leicht und Heizöl schwer drei bis sechs Monate zeitverzögert. Bei weiter ansteigenden Rohölpreisen könnte es MyElectric passieren, dass dank der einjährigen Preisgarantie ordentliche Verluste entstehen. In jedem Fall geht MyElectric-Chef Michael Strebl davon aus, erst 2004 eine schwarze Null zu schreiben.

Trotz möglicher hohe Verluste hat Strebl beim Gas hoch gesteckte Ziele: Binnen Jahresfrist möchte er 3000 Haushalte mit einer Bezugsmenge von sechs Mio. Kubikmeter gewinnen, bei Strom habe man derzeit rund 19.200 Kunden mit einer Liefermenge von 350 Gigawattstunden. Als ersten Gas-Gewerbekunden hat man am Dienstag beim Startschuss zur kompletten Gasmarktöffnung den ÖBB-Bahnhof Wiener Neustadt mit 300.000 m³ gewonnen.

Strebl räumt ein, dass das bundesweit einheitliche Modell ähnlich den Stromtarifen der MyElectric fast nur Kunden in Wien und Niederösterreich sowie (bei Gas) jenen der Grazer Stadtwerke echte Ersparnisse bringe. In Kärnten, Burgenland und Salzburg sei man kaum günstiger, auch die Steirische Ferngas sei preislich kaum erreichbar. (rose/DER STANDARD Print-Ausgabe, 3.10.2002)

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    MyElectric: Jährlich 40 bis 90 Euro Ersparnis.

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