Massiver Personalabbau bei Tyco Electronics in Waidhofen und Wien

2. Oktober 2002, 12:07
posten

Angeblich 150 Beschäftigte in Waldviertler Werk Dimling betroffen

Waidhofen/Wien - Beim Elektronikkonzern Tyco Electronics Austria (Wien), dem österreichischen Standort des US-Mischkonzerns Tyco International, sollen Medienberichten zufolge 150 Beschäftigte im Werk in Dimling bei Waidhofen an der Thaya abgebaut werden. Auch in Wien stehe ein Personalabbau an, hieß es. Als Grund wird die Verlagerung der Produktion nach Tschechien genannt. Die Geschäftsführung von Tyco Electronics in Wien wollte am Mittwoch zunächst keinen Kommentar dazu abgeben.

Die rund 480 Mitarbeiter seien in Betriebsversammlungen am Montag über die geplante Maßnahme informiert worden, hieß es. Laut einem Bericht des "Kurier" sollen sechs Montagelinien der Relais-Produktion ins tschechische Tyco-Werk nach Trutnov (Trautenau) übersiedeln. Die Personalreduktion soll bis Juli 2003 über die Bühne gehen. Ab heute, Mittwoch, werde über die Erstellung eines Sozialplans verhandelt, auch die Gründung einer Arbeitsstiftung sei angedacht.

Verunsicherung und Verzweiflung

Die Stimmung im Werk sei - nach wochenlangen Gerüchten um eine Krise - nun von Verunsicherung und Verzweiflung geprägt. Die Betriebsräte sprechen im "Kurier" vom "Semperit des Waldviertels". Im Dimlinger Werk werden jährlich rund 100 Millionen Stück Netz-Relais für die "weiße Ware", etwa Waschmaschinen, Bügeleisen, aber auch für Steuerungsanlagen hergestellt.

Das damalige EH-Schrack-Components-Werk in Dimling - heute Tyco Electronics Austria - war im Oktober 1995 von der Siemens AG übernommen worden. 1998 begann der "Ausverkauf" von Teilbereichen bei Siemens und die strategischen Partnersuche für das Schrack-Components-Werk bei Waidhofen. 1999 wurden nach spürbaren Auftrags- und Umsatzeinbußen Personalabbau und Kurzarbeit eingeleitet. In zähen Verhandlungen mit der niederösterreichischen Landesregierung konnte damals ein Prüfungsverfahren und eine Standortsicherung erwirkt werden.

Verkauf an Tyco

Im Herbst 1999 wurde das Werk an den amerikanischen Multi Tyco International verkauft. Nach einer kurzfristigen Erhöhung der Relais-Produktionen wurde der Personalstand bei der Tyco Electronics Austria GmbH in jeweils kleineren Tranchen nach unten korrigiert.

Seit Mitte September 2002 wird gegen Ex-Tyco-Chef Dennis Kozlowski wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung, des Betrugs und der Korruption ermittelt. Im dritten Geschäftsquartal hatte der US-Mischkonzern einen Nettoverlust von 2,3 Mrd. Dollar verbucht und ist zur Zeit gezwungen, seinen riesigen Schuldenberg abzutragen.(APA)

Share if you care.