Promis hinter Gittern

3. Oktober 2002, 10:12
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Die jüngsten Wirtschaftsskandale in den USA brachten nicht nur die Aktionäre ins Schwitzen – Eine ganze Reihe korrupter Wirtschaftsmillionäre wird nun Gefängnisluft schnuppern müssen

Am 7. November saß der angeklagte Dennis Kozlowski Ex-Chef des Mischkonzerns Tyco mit rotem Kopf auf der Holzbank im New Yorker State Supreme Court. Der Entschluss des Richter würde Freiheit oder Rikers lauten. Rikers ist den Eingeweihten als extrem gefährliches Gefängnis bekannt. Zwischen 1988 und 1998 gab es , laut Gerichtsunterlagen, 1500 Übergriffe und 300 ernste Verletzungen. Berüchtigte New Yorker Gangs wie die „Bloods“ rekrutierten dort ihren Nachwuchs. Alles in allem kein angenehmer Ort für den Multimillionär. Doch schließlich schaute der Staatsanwalt durch die Finger und der Ex-Tyco Chef wurde gegen eine Kaution von zehn Millionen Dollar freigelassen, meldet der Spiegel Online.

Bis zu 20 Jahre Gefängnis

Doch auch wenn diesmal ein korrupter Manager dem Gefängnis entkommen ist – einige seiner Kumpanen werden wohl doch hinter Schloss und Riegel kommen. Vertreter von Worldcom, Imclone, Qwest und Adelphi, um nur einige zu nennen, haben den Zorn der Aktionäre, Medien und der allgemeinen Öffentlichkeit auf sich gezogen, und werden kaum um eine Freiheitsstrafe herumkommen. Vor einem Jahr wurde noch dazu das Strafmaß für Wirtschaftskriminalität drastisch erhöht. Bis zu 20 Jahre Gefängnis drohen nun dem Verurteilten.

„Dekade of Greed“

In den 80-er Jahren, der „Dekade of Greed“ sah die Situation noch ganz anders aus. Mike Milken, der Junk-Bond-King, wurde wegen Betrugs zu zehn Jahren Haft verurteilt. Nach nur 22 Monaten kam er jedoch wegen guter Führung wieder frei. Kurz danach gab er schon Vorlesungen an der University of California. Jetzt ist er sogar bekannter Philanthrop, hat ein Wirtschaftsinstitut gegründet und lädt regelmäßig zur „Global Conference“ ein, wo er im erlauchten Kreise über den Zustand der Wirtschaft philosophiert.

Gefängnisse werden härter

Nicht nur das Strafausmaß, auch die Gefängnisse wurden härter. Während früher von Pools und Tennisplätzen die Rede war, muss der heutige Gefangene, unabhängig von seinem Wohlstand, für elf Cents die Stunde arbeiten und darf zehn Minuten am Tag telefonieren. Auch wenn die meisten Wirtschaftskriminelle ihren Alltag zumeist nicht mit Schwerkriminellen teilen müssen, sondern in leicht bewachten „Prison-Camps“ untergebracht werden, ist es ein tiefer Fall. Kozlowski hat schon 6000 Dollar für einen Duschvorhang bezahlt, im Gefängnis müsste er mit 175 Dollar im Monat auskommen.

Gewinner

Doch es gibt auch hier die Gewinner, wie der frühere Häftling David Novak. Er verdient sich seinen Unterhalt als Berater für Häftlinge. Für 125 Dollar die Stunde sucht er sich das geeignete Gefängnis für den gehobenen Lebensstil aus, und hilft den „Greenhorn“ über die erste Zeit. Denn die meisten verurteilten Wirtschaftskriminelle bleiben auch in ihrer Gefangenschaft reich. Weder Milken, noch die Immobilienkönigin Leona Helmsey flogen aus der Forbes-Liste der 400 reichsten Amerikaner, während sie hinter Gitter saßen. Eng dürfte es nur dann werden, wenn sie zu Reparationszahlungen verdonnert werden würden... (red)

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    foto: derstandard.at
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