Pressestimmen: Hoffnung und Zweifel

2. Oktober 2002, 10:38
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Nach Einigung in Wien: "Il Messaggero": Man denkt an die Kosten - "Iswestija": Die USA spielen im Irak-Konflikt auf Zeit

Rom/Moskau/Genf - Internationale Zeitungen sehen am Mittwoch in der Einigung von UNO und Irak auf eine Rückkehr der Waffenkontrollore einen Hoffnungsschimmer, zweifeln aber daran, ob der Kompromiss den USA ausreichend erscheinen wird.

"Il Messaggero" (Rom):

"Aber hinter den offiziellen Erklärungen wird bereits deutlich, dass US-Präsident George Bush zu Kompromissen bereit ist, nicht zuletzt angesichts dessen, was in Wien geschehen ist. Die Zeit wird knapp, in Washington wie bei der UNO, und es wird Zeit, zu einer Lösung zu kommen: Bis Ende der Woche dürfte Bush das Grüne Licht aus dem Kongress in der Tasche haben, aber voraussichtlich dürfte es darauf beschränkt sein, Saddam Hussein zu entwaffnen, nicht jedoch ihn politisch oder physisch zu vernichten. ... Während die Umfragen in den USA die Popularität Bushs und seiner Kriegspolitik gegenüber dem Irak noch bestätigen, nehmen die Zweifel zu. In einem Ausmaß, das proportional zu den vermutlichen Kosten steht."

"La Repubblica" (Rom):

"Nach Meinung George Bushs ist eine Rückkehr der UN-Inspektoren gemäß den Vereinbarungen der Vergangenheit nicht ausreichend, um Saddam Hussein zu entwaffnen und birgt daher die Gefahr, militärische Aktionen nur zu verschleppen. ... Die amerikanische Verhärtung in der Frage der Inspektoren bedeutet zugleich eine Eskalation in der Offensive gegen Bagdad. ... Aber Russland, China und Frankreich widersetzen sich weiterhin einer solchen harten Resolution und vor allem der "Philosophie" des amerikanischen Entwurfs. Sie wollen (dem Leiter der UNO-Kontrollkommission für den Irak, Hans) Blix und seinen Inspektoren eine "Chance" geben. Und sie wollen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und seinem General (Tommy) Franks keinen Blanko-Scheck ausstellen."

"Iswestija" (Moskau):

"Die USA würden auch ohne Zustimmung der Vereinten Nationen handeln. Die Spielchen um eine Wiederaufnahme der Waffeninspektionen gab es nur, weil die USA noch nicht bereit sind zu einem Militärschlag gegen den Irak. Mit der Anwesenheit der Waffeninspektoren im Land bekommt der Irak im entscheidenden Moment ein paar Tage Vorlauf. Ein überstürzter Abzug der Beobachter gäbe Bagdad das Signal, dass die USA mit einem Angriff beginnen. Das Regime in Bagdad braucht die Bewegungsfreiheit der Waffeninspektoren im Land nicht zu fürchten. Die chemische und biologische Waffenproduktion ist mobil und lässt sich, je nach den Plänen der internationalen Beobachter, von einem Ort zum anderen verfrachten."

"Berner Zeitung":

"Der Irak behauptet, der wahre Zweck solcher Palastinspektionen bestehe darin, dass die USA ihre Cruise Missiles metergenau programmieren könnten. (US-Präsident George W.) Bush und (Großbritanniens Premierminister Tony) Blair gehe es ja nicht um Rüstungskontrolle, sondern um die Ausschaltung Saddam Husseins. Die Mehrheit der internationalen Gemeinschaft wird sich wahrscheinlich auf die Seite des in Wien erreichten Kompromisses stellen. Besser etwas Unsicherheit hinsichtlich der Rüstung des Irak als ein Krieg, lautet der gemeinsame Nenner. Besser den Inspektoren eine Chance geben als einen Konflikt riskieren, der den Graben zwischen dem Westen und der arabischen und islamischen Welt noch mehr vertieft und die Weltwirtschaft noch mehr in den Abgrund reißt. Bush und Blair werden es nach der Einigung zwischen dem Irak und der UNO schwer haben, für ihre Strategie Partner zu finden. Die Diplomatie hingegen hat eine Chance erhalten." (APA/dpa)

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