Thierry Breton neuer Chef von France Telecom

2. Oktober 2002, 15:39
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Staat will Kapitaldecke der hoch verschuldeten Firma stärken

Für den hoch verschuldeten Telefonriesen France Telecom will der neue Chef Thierry Breton in zwei Monaten einen Sanierungsplan vorlegen. Zunächst solle ein Kassensturz vorgenommen werden, teilten Arbeitnehmervertreter in der France-Telecom-Führung am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP mit. Zuvor war Breton offiziell zum neuen Chef gewählt worden.

Frisches Eigenkapital

Das Pariser Finanzministerium kündigte an, der französische Staat als Mehrheitseigner werde France Telecom mit frischem Eigenkapital stärken und auch bei fälligen Krediten helfen. Der zuletzt stark gefallene Aktienkurs des Unternehmens kletterte an der Pariser Börse um gut acht Prozent.

Der 47-jährige Breton, bisher Chef des Elektronik-Unternehmens Thomson Multimedia, folgt Michel Bon nach. Bon hatte Mitte September zurücktreten müssen, nachdem die Schulden des Unternehmens auf 70 Mrd. Euro angestiegen waren. Zu der Finanzkrise trugen auch die Schwierigkeiten bei der deutschen Partnerfirma MobilCom bei.

Spekulationen

Über Bretons Pläne für eine finanzielle Sanierung von France Telecom wurde am Mittwoch weiter spekuliert. Als bevorzugte Optionen für eine Entschuldung galten der Verkauf von Anteilen der Mobilfunktochter Orange und eine Kapitalerhöhung bei France Telecom. Die konservative Tageszeitung "Le Figaro" nannte auch eine Umschuldung, also eine zeitliche Streckung der bisherigen Kredite und Obligationen. Als vierte Option könnte demnach ein Konsortium gebildet werden, das an Stelle von France Telecom auf dem Markt Kredite aufnehme und dann an den Ex-Monopolisten weiterreiche.

Das Pariser Finanzministerium betonte, der Staat als Mehrheitseigner werde seiner Verantwortung bei France Telecom gerecht werden. Bis zum Abschluss der Bestandsaufnahme werde der französische Staat einspringen, um "jegliches Finanzierungsproblem" zu vermeiden - falls dies notwendig werden sollte. Derartige Staatshilfen müssen allerdings bei der Europäischen Kommission in Brüssel angemeldet werden.

Erfolgreicher Sanierer

Breton gilt als erfolgreicher Sanierer. Vor Thomson Multimedia hatte er bereits den Computerkonzern Bull betreut. Der Vertraute von Premierminister Jean-Pierre Raffarin hat für seine neue Aufgabe die volle Unterstützung der rechts-bürgerlichen Pariser Regierung, die seine Ernennung offiziell absegnete. Breton war lange Jahre Beigeordneter in Raffarins Heimatregion und ist seit vergangenem Jahr Verwaltungschef des Septennats-Museums, in dem Präsente für Präsident Jacques Chirac gesammelt werden.

Nach dem Wechsel Bretons zu France Telecom kündigte Thomson Multimedia an, seine Führungsspitze aufzusplitten. Bretons bisherige Aufgaben teilen sich künftig Charles Dehelly und Frank Dangeard. (APA)

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