SPD-Wehner nach Moskauer Fund belastet

1. Oktober 2002, 19:19
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Ex-Kommunist soll deutsche Emigranten bespitzelt haben

Berlin - Der Hamburger Historiker Reinhard Müller fand in Moskau ein Dokument, das die Rolle des langjährigen deutschen SPD-Spitzenpolitikers Herbert Wehner in Moskau in neuem Licht erscheinen lässt. Bei der Verfolgung deutscher Emigranten konnte sich der sowjetische Geheimdienst 1937 auf Berichte des früheren Kommunisten Wehner stützen, der von 1937 bis 1941 in Moskau im Exil lebte. Der Mitarbeiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung hat in Moskau den "Direktbrief" entdeckt. Der "Direktbrief" löste eine umfassende Verhaftungswelle unter deutschen Emigranten in der Sowjetunion aus, mehrere Aktivisten wurden umgebracht.

Müller fiel auf, dass Formulierungen darin stellenweise völlig identisch sind mit Wehners Kaderakte. Detailgetreu werden auch Stützpunkte der Sozialistischen Arbeiterpartei, der damals Willy Brandt angehörte, in Deutschland angegeben. Dieses Insiderwissen "konnte nur von Wehner stammen", so die Schlussfolgerung Müllers in einer TV-Dokumentation, die die ARD am Mittwoch um 23.30 Uhr, ausstrahlt.

Bei der SPD hat der Fund keine großen Aktivitäten ausgelöst. Der Leiter der Historischen Kommission der SPD, der Bochumer Professor Bernd Faulenbach, sagte auf Anfrage, es tauchten immer wieder Dokumente zu Wehners Vergangenheit auf. Er müsse sich erst damit befassen. (afs/DER STANDARD, Printausgabe, 2.10.2002)

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