Warnleuchten gegen Nebelunfälle

2. Oktober 2002, 13:10
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Deutsche Wissenschafter arbeiten an einem mobilen Gerät zur Nebelauflösung - Autofahrerklubs kritisieren "jahrelange Versäumnisse"

Linz - Nach den Massenkarambolagen auf der Westautobahn, bei der Montagfrüh in Oberösterreich acht Menschen starben, denken die Verantwortlichen nun über Vorsorgemaßnahmen nach. Erster Schritt soll die Installation von Nebelwarnleuchten sein, deutsche Wissenschafter arbeiten an einem mobilen Gerät zur Nebelauflösung.

Insgesamt war es auf der A1 zwischen Seewalchen und Schörfling im dichten Nebel zu drei Unfällen gekommen, in die 94 Fahrzeuge verwickelt waren, berichtet Klaus Scherleitner vom Landesgendarmeriekommando. Die genauen Ermittlungen der Unfallursachen werden Tage dauern. Sieben Menschen wurden getötet, fünf der 57 Verletzten schwebten am Dienstag noch in Lebensgefahr. Der Sachschaden an den Fahrzeugen wird mit 2,2 Millionen Euro beziffert.

Asfinag kündigt Sofortprogramm an

Für die staatliche Autobahngesellschaft Asfinag kündigte Pressesprecher Harald Dirnbacher ein Sofortprogramm an. In besonders nebelgefährdeten Abschnitten sollen ab Herbst 2003 elektronisch gesteuerte Überkopfwarntafeln installiert werden.

Bis 2008 sollen dann alle betroffenen Autobahnabschnitte mit der Technik ausgerüstet werden. Zu spät, kritisieren die Autofahrerverbände ÖAMTC und ARBÖ und werfen der Asfinag "jahrelange Versäumnisse" auf diesem Gebiet vor. ARBÖ-Präsident Herbert Schachter forderte zusätzlich die Autoindustrie auf, serienmäßig Nebelabstandsmesser in Pkw einzubauen, die automatisch die Geschwindigkeit bei schlechter Sicht drosseln.

Oberösterreich will vorfinanzieren

Der oberösterreichische Verkehrslandesrat Erich Haider (SP) will gleichfalls nicht warten und bot der Asfinag an, in Oberösterreich die pro Paket jeweils rund 150.000 Euro teuren Überkopfschilder vorzufinanzieren. Der Bezirk Vöcklabruck, in dem sich der Unfall vom Montag ereignete, sei mit über 100 Nebelunfällen besonders gefährdet.

In Deutschland wird unterdessen an einem neuartigen Weg getüftelt, den Nebel völlig zu beseitigen. Im kommenden Jahr soll der Prototyp eines mobilen Systems getestet werden, kündigte Professor Detlev Möller von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus im Gespräch mit dem STANDARD an.

Freie Sicht durch Nebelbinder

Der Nebelbekämpfer soll etwa die Größe eines VW-Busses haben und unter hohem Druck Wassereispartikel in den Nebel sprühen. So wird der Nebel innerhalb von rund drei Minuten gebunden, und die Sicht ist frei, verspricht Möller. Die Fahrzeuge sollen zwischen 250.000 und 300.000 Euro kosten.

Auf der Tauern- und der Südautobahn gab es inzwischen weitere tödliche Unfälle. Zwei Chauffeure starben bei Lkw-Karambolagen bei Traiskirchen und vor dem Katschbergtunnel. (DERSTANDARD, Printausgabe 2.10.2002)

Michael Möseneder
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