Reichholds Forschungen brachten nur spärliche Ergebnisse

1. Oktober 2002, 19:06
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Bündelung der außeruniversitären Innovationsaktivitäten gescheitert

Wien - Österreichs außeruniversitäre Forschungsszene kommt nicht zur Ruhe: Ein Rücktritt jagt den anderen. Nach Albert Hochleitner, dem Aufsichtsratschef der Forschungsgruppe Seibersdorf, hat am Dienstag Norbert Rozsenich seine Funktion als Präsident der Forschung Austria zurückgelegt.

Forschung Austria (FA) ist ein Verein, der sich als starker, erster Schritt zu einem gesamtösterreichischen Dachverband der außeruniversitären wirtschaftsorientierten Forschung und Technologie (F&E) versteht und Bundesländerkooperationen forcieren soll. Mitglieder sind Joanneum Research und die Austrian Research Centers (ARCS, mit Seibersdorf und Arsenal) sowie das Infrastrukturministerium, Salzburg Research und Austrian Cooperative Research. In der von Infrastrukturminister Mathias Reichhold geplanten, aber an der Industrie gescheiterten Forschungsreform sollte die FA eines von zwei Vehikeln sein, in dem die zersplitteten Kompetenzen gebündelt werden.

Rozsenich inszenierte seinen Rücktritt theatralisch - wie auch schon jenen im Mai als Technologiesektionschef - und gespickt mit Vorwürfen: Die Forschungs- und Technologiepolitik sei nicht nur in einem "progressiv verwahrlosten Zustand", sondern Reichhold treffe in wesentlichen budgetären und personellen Angelegenheiten laufend Entscheidungen, die die Performance der Forschung schwerstens gefährden würden, schreibt Rozsenich in einem dem STANDARD vorliegenden Brief an den FA-Vorstand.

Den Vorwurf, der Minister habe veranlasst, im Ressortantrag für das Budget 2003 die Basisförderung für die Forschung erheblich zu kürzen, wird vom Ministerium zwar dementiert. Dem steht jedoch entgegen, dass er im August Budgetkürzungen angekündigt hat. Da wegen der Neuwahlen der laufende Haushalt als Provisorium fortgeschrieben wird, muss beispielsweise das ARCS mit 40 statt 46 Millionen Euro auskommen.

Reichholds Reform-Schnellschuss hat sich mit dem jüngsten Abgang endgültig zu einem Schuss in die Luft reduziert. Erst scheiterte die Zusammenlegung der beiden Wissenschaftsfonds FWF und FFF, dann verhinderte die Wirtschaft eine "Verländerung" des ARCS.

Quasi im Vorbeigehen hat Reichhold das Ministerium so umgebaut, dass die Technologie ein Anhängsel der Fernmeldebehörde wurde - eher ungewöhnlich angesichts des Ziels der Bundesregierung, bis 2005 die Forschungsquote von derzeit 1,86 auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben. (ung/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 10. 2002)

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