Japan: Erholungshoffnung schwindet

1. Oktober 2002, 18:37
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Trotz Wachstumsplus im zweiten Quartal kein Ende der Kauf- und Investitionszurückhaltung

Tokio - Die leichte Erholung der seit einer Dekade in der Krise steckenden japanischen Wirtschaft verliert wieder an Fahrt. Das geht aus dem vierteljährlichen Konjunkturbericht, dem Tankan-Report, hervor, den die japanische Notenbank am Dienstag vorlegte.

Danach habe sich die Stimmung in der Industrie zwar leicht aufgehellt. Doch zugleich sei deutlich, dass viele Unternehmen ihre Investitionsausgaben kürzen wollten und für die nächsten drei Monate nur eine geringe Verbesserung des Geschäftsklimas erwarteten. Experten sehen daher wieder mehr Risiken für die Erholung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Seit sieben Quartalen im negativen Bereich

Das Stimmungsbarometer bei den Großkonzernen verbesserte sich zum zweiten Mal hintereinander auf minus 14 und war damit so gut wie seit März 2001 nicht mehr. Seit sieben Quartalen notiert der Indikator im negativen Bereich. Bei den kleineren Unternehmen stieg der September-Wert auf minus 37 nach minus 41 im Juni.

Aus dem Tankan-Bericht, der auf Umfragen unter 8500 Unternehmen basiert, geht aber auch hervor, dass große Unternehmen für das im April begonnene Bilanzjahr eine Senkung der Investitionen um 6,2 Prozent planen. Von den Befragten erwarten mit 31 Prozent weniger Unternehmen als noch vor drei Monaten einen Anstieg des Vorsteuerergebnisses.

Neuer Kontrollor

Japans Wirtschaftsminister Heizo Takenaka, der nun auch die Verantwortung für die Bankenaufsicht überhat, erklärte, der Tankan-Bericht zeige verschiedene Risikofaktoren für die Wirtschaft auf. Es gebe zwar Anzeichen für eine Erholung, aber das Umfeld werde immer schwieriger.
Die japanische Wirtschaft war im zweiten Quartal von April bis Juni im Jahresvergleich um 2,6 Prozent gewachsen. Dies war der erste Anstieg des Bruttoinlandsproduktes seit fünf Quartalen. Doch hat bisher die Erholung noch nicht auf die Inlandsnachfrage übergegriffen, Verbraucher und Unternehmen halten sich mit ihren Ausgaben weiterhin zurück.

Finanzminister Masajuro Shiokawa räumte ein, die Erholung verliere an Dynamik. Dies signalisierte am Dienstag auch eine Reuters-Umfrage. Der Einkaufsmanagerindex Reuters/Nomura/JMMA fiel im September saisonbereinigt auf 48,9 von 51,0 Punkte. Es war der erste Rückgang seit fünf Monaten. Er ist den Angaben zufolge auf die schwächere Exportentwicklung zurückzuführen. An den Finanzmärkten wurde der Tankan-Bericht gelassen aufgenommen, da er im Rahmen der Erwartungen lag. (Reuters, DER STANDARD, Printausgabe 2.10.2002)

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    Trotz leichter Erholungsanzeichen ist in Japan kein Ende der Vertrauenskrise bei Firmen und Konsumenten absehbar.

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