... und alles endete 1938

6. Oktober 2002, 15:01
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Neues Buch beschreibt die Lebensgeschichten von fünf jüdischen Großfamilien

Wien - Was hatten der Regisseur und Filmproduzent Joe May ("Das indische Grabmal", Anm.), die Schauspielerin Hedy Lamarr und die Hirtenberger Munitionsfabrik gemeinsam? Marie-Theres Arnbom erklärt diese und andere Zusammenhänge in dem Buch "Friedmann, Gutmann, Lieben, Mandl und Strakosch - Fünf Familienporträts aus Wien." Sie berichtet vom Leben und Wirken jüdischer Großfamilien bis zu deren abrupten Ende im Jahr 1938.

Die Familie Strakosch war der Musik zugetan, erfährt der Leser. Moritz, Max und Ferdinand waren in der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts Impresari, Manager und Operndirektoren. Von Stockholm bis Triest und an der amerikanischen Ostküste hatten sie alle Opernhäuser fest im Griff. In der zweiten Generation gründete Edgar Strakosch das Opernhaus in Baltimore. In der Dynastie findet sich aber auch Sir Henry vulgo Heinrich Strakosch, der einer der einflussreichsten Währungspolitiker in England war.

Die Familie Lieben war der Forschung zugetan, beschreibt die Autorin. Eine für Telefon und Rundfunk bahnbrechende Erfindung war die Lieben-Röhre, entwickelt von Robert Lieben. Der Chemiker Adolf Lieben wird sogar Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Die Frauen der Dynastie hatten auf andere Art Umgang mit den Gelehrten. Helene Auspitz-Lieben und Anna Lieben-Todesco zählten zu den ersten Patientinnen Sigmund Freuds.

Hedy Lamarr - mit richtigem Namen Hedy Kiesler war mit dem österreichischen "Munitionskönig" und Direktor der Hirtenberger Munitionsfabrik, Fritz Mandl, verheiratet. Aus dieser Familie stammt auch der Entdecker von Fritz Lang, Joe May - bürgerlich Julius Mandl. (APA)

Marie-Theres Arnbom: "Friedmann, Gutmann, Lieben, Mandl und Strakosch",
erschienen im Böhlau Verlag
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