Post braucht noch ein halbes Jahr

1. Oktober 2002, 17:45
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Generaldirektor Wais gibt Fehleinschätzungen beim Briefzentrum Wien zu, Optimierung bis Mitte 2003

Wien - "Es war nicht clever, zu sagen, wir verarbeiten 51 Prozent des Briefvolumens im neuen Briefzentrum in Wien", gesteht Post-General Anton Wais im Standard-Gespräch freimütig ein, "denn es geht um einen Gesamtprozess, der funktionieren muss." Und da habe in Inzersdorf einiges nicht gepasst. "Falsch" eingeschätzt wurde beispielsweise die Zahl der noch immer händisch zu bearbeitenden Briefstücke. Diese sei wesentlich größer als angenommen.

Auch seien nicht nur 51 Prozent der österreichischen Zeitungen im Wiener Postlauf, sondern wesentlich mehr, räumte Wais ein. Das brachte - und bringt zum Teil noch immer - Verzögerungen. Nun sollte es jedoch "besser" laufen, verspricht Wais, alle Rückstaus seien aufgearbeitet. Den Vorwurf, die Post halte ihre Kunden zum Narren, lässt er nicht gelten. Er bittet erneut um Verständnis: Noch sei der "eingeschwungene Zustand" nicht erreicht. Immerhin 80 Prozent der Sendungen innerhalb Österreichs sollten seit gestern, Dienstag, aber wieder binnen eines Tages von A nach B geliefert werden.

"Die letzten fünf Prozent werden die schwierigsten"

Ob die gelbe Post die in der Universaldienstverordnung festgelegten 95 Prozent österreichweit bis 2004 überhaupt schaffen kann? "Die letzten fünf Prozent werden sicher die schwierigsten." Denn erstens sei die Logistikkette noch nicht geschlossen, und zweitens sei man in Wien briefmäßig von der "Best Practice", der Optimierungsphase, noch weit entfernt. "Wir müssen erst einmal die Practice erreichen", skizziert Wais. Mitte 2003 soll alles wie am Schnürchen laufen.

Das Briefzentrum Villach, dessen Grundstück eben gekauft wurde, und die Paketzentren Wien und Villach, sollen Ende 2004 fertig sein; in Wien-Inzersdorf werden noch Grundstücke zugekauft.

Die dafür notwendigen Investitionen wollte der Postchef nicht beziffern, noch sei die Projektierungsphase nicht abgeschlossen. Sein für die Logistik zuständiger Vorstandskollege Jörn Kaniak schätzt diese auf knapp 80 Mio. €.

Umsatz lässt zu wünschen übrig

Das lahmende Briefzentrum Inzersdorf ist nicht Wais’ einzige Sorge. Auch der Umsatz lässt zu wünschen übrig, ein Aufschwung ist - konjunkturbedingt - nicht in Sicht. Briefvolumen und Zeitungsversand sind durch elektronische Medien unter Druck. Ein Hoffnungsschimmer ist die Nationalratswahl: Mit dem Wahlkampf nehmen adressierte Mailings wieder zu. "Das Add-on-Geschäft wird aber nicht riesig sein, weil erst produziert werden muss und nur sechs Wochen Zeit sind", sagt Wais. Mit Zubringerservices und Abholung von den Druckereien soll das Zusatzgeschäft dennoch florieren.

Im Gesamtjahr dürfte die Sparte Infomail (Werbesendungen) um zwei bis drei Prozent zulegen, der Brief geht zurück, das Paketgeschäft ist sehr volatil. Zum Vergleich: 2001 sank der Post-Umsatz um 1,6 Prozent auf 1,518 Mrd. €, der Gewinn (EGT) stieg um 17,2 Prozent auf 45 Mio. €. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe 2.10.2002)

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    Post-General Wais: Der "eingeschwungene Zustand" noch nicht erreicht.

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