Die Rebellen übernahmen die FPÖ

2. Oktober 2002, 11:02
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Die FPÖ neu fährt den alten radikalen Kurs, der nun von den Knittelfelder Rebellen diktiert wird - auch wenn die FP-Chefetage anderes suggeriert

Wien - An die "alte" FPÖ sollte nichts mehr erinnern: Die Parteispitze wurde personell radikal verändert - und der Herd des Unfriedens in Kärnten isoliert. Altparteichef Jörg Haider durfte nicht einmal mehr auf der Nationalratsliste seines Bundeslandes Kärnten aufscheinen. Aber wie es scheint, lebt die alte FPÖ munter weiter, und die Rebellen von Knittelfeld gewinnen zunehmend an Einfluss.

Bei genauerer Hinsicht entpuppen sich die "neuen" Freiheitlichen durchaus als Abgesandte der Knittelfelder "Rebellen". Und auch die bisher von der "neuen" FPÖ kolportierten inhaltlichen Positionen zu den zentralen Themen EU-Erweiterung, Abfangjäger oder Steuerreform zeigen deutlich die radikale Handschrift Jörg Haiders, die das Knittelfelder Treffen geprägt hatte.

Mit den stellvertretenden Parteichefs Thomas Prinzhorn und Magda Bleckmann sind Zentralfiguren des Knittelfelder Parteitreffens an die Spitze der Bundesparteiführung gerückt und mit Herbert Haupt ein Vertrauter Jörg Haiders. Prinzhorn soll überdies sämtliche Personalentscheidungen maßgeblich diktiert haben. Seit den Knittelfelder Wirren hat sich Prinzhorn sogar zu einer Art Galionsfigur der Rebellen und zum Garanten für die Erhaltung der "alten FPÖ-Werte" entwickelt.

"Knittelfelder" Personalpolitik wird in in diesen Tagen auch auf lokaler Ebene, etwa in Graz, durchgezogen. Der dortige Landtagsklubchef, Franz Lafer, wurde durch die Knittelfelder Aktivistin Waltraud Dietrich ersetzt. Dietrich gilt als Haider-treuer "Fundi" in der FPÖ. Völliges Chaos ist indessen in der Grazer FPÖ ausgebrochen. Dort wurde der eher liberale Langzeitobmann Peter Weinmeister von Anhängern der Knittelfelder Rebellen praktisch in Geiselhaft genommen. Weinmeister wurde ein neues Team für den Gemeinderatswahlkampf aufgezwungen. Die dortige Stadträtin Maxi Uray-Frick bewertet dies mit drastischen Worten. Weinmeister sei nun "eine Fetzenpuppe, die nach den Wahlen verbrannt wird".

Weit stärker noch als im schleichenden personellen Umbau manifestiert sich der "Knittelfelder Geist" in den inhaltlichen Positionen der neuen FPÖ. Die - jetzt auch vom neuen Obmann Mathias Reichhold kolportierten - kompromisslosen Positionen zur EU-Erweiterung oder zur Steuerreform entsprechen exakt den Forderungen der Knittelfelder Delegierten. Und Jörg Haiders.

Die engagierte Knittelfelder Delegierte Waltraud Dietrich, die nun zur Klubobfrau im steirischen Landtag aufgestiegen ist, bekräftigt, das die Linie, die die FPÖ heute vertrete, "genau jene ist, die sie immer vertreten hat". Die Position spiegle die Forderungen der Knittelfelder Delegierten wider, zumal dort "ohnehin nur die alte Parteilinie eingefordert wurde".

Dietrich: "Jetzt haben wir wieder die einheitliche Linie." Kein Wort mehr über Altparteichefin Susanne Riess-Passer, kein Wort über Karl-Heinz Grasser oder Peter Westenthaler. Dessen Nachfolger

im Parlamentsklub, Karl Schweitzer, reagiert fast ungehalten, wird er auf die Frage der inhaltlichen Positionen der "neuen" FPÖ angesprochen. Knittelfeld sei kein Thema mehr.

"Keine Sieger"

Schweitzer im STANDARD-Gespräch: "Es gibt keine neue FPÖ. Es gibt eine neue Parteiführung mit einem starken Obmann." Er gibt aber zu, die FPÖ sei "gut beraten, nicht auf die bisherigen Standpunkte zu verzichten. Es gibt keinen Anlass, dass die FPÖ ihre inhaltliche Linie verlässt." Das bedeute, dass es etwa mit der FPÖ "nur eine österreichverträgliche" EU-Erweiterung geben müsse. Schweitzer pocht darauf dass es "keine Ansatzpunkte gibt, wer sich durchgesetzt hat".

Das Wahlprogramm, das heute, Mittwoch, im Parteipräsidium präsentiert werde, stehe in "keinem Zusammenhang mit den Vorgängen in Knittelfeld". Schweitzer: "Die Forderungen hat es schon immer gegeben. Es gibt keine Knittelfelder und andere. Und keine Sieger und Verlierer. Es gibt nur noch eine FPÖ." (Walter Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 2.10.2002)

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    Haider und der neue FP-Obmann Reichhold beim "Familien-Erlebnisfest" der FPÖ in Launsdorf

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