Gerhardt als FDP-Fraktionschef bestätigt

3. Oktober 2002, 11:02
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"Großes Vertrauensvotum" mit nur zwei Gegenstimmen - Westerwelle bleibt in Möllemann-Frage hart

Berlin - Der bisherige FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt ist mit großer Mehrheit zum Chef der neuen FDP-Bundestagsfraktion gewählt worden.

42 Abgeordnete votierten am Mittwoch in Berlin für Gerhardt. Zwei stimmten mit Nein, einer enthielt sich der Stimme. Gerhardt führt schon seit 1998 die FDP-Fraktion im Bundestag. Die Abgeordneten hätten ihm mit einem "großen Vertrauensvotum" ausgestattet, sagte Gerhardt nach der Wahl. Auch Parteichef Guido Westerwelle würdigte das Wahlergebnis und und verteidigte die Entscheidung, die Liberalen weiter mit einer Doppelspitze zu führen. "Ich glaube, es ist gut, wenn man in einem Team unterschiedliche Talente zusammenführt", sagte er. Der Machtkampf zwischen Westerwelle und dem nordrhein-westfälischen Landeschef Jürgen Möllemann hielt unterdessen unvermindert an.

Sonderparteitag der nordrhein-westfälischen FDP nächsten Montag

Unmittelbar vor der Sitzung habe Möllemann dem FDP-Chef erneut ein Versöhnungsangebot unterbreitet, hieß es in der Partei. Westerwelle sei in dem rund viertelstündigen Gespräch aber bei der Auffassung geblieben, dass Möllemann als Landesvorsitzender abgelöst werden müsse. "Meine Position ist unverändert", sagte der Parteichef. Westerwelle macht Möllemann für das schlechte Abschneiden bei der Bundestagswahl verantwortlich. Am kommenden Montag kommt es voraussichtlich auf einem Sonderparteitag der nordrhein-westfälischen FDP zu einem Machtkampf zwischen Möllemann und dessen Stellvertreter Andreas Pinkwart. Pinkwart hat bereits angekündigt, gegen Möllemann anzutreten.

Alternativkandidat zu Pinkwart und Möllemann möglich

In der FDP hieß es allerdings, dass möglicherweise noch eine dritte Person zum Zuge kommen könnte. Sollten weder Möllemann noch Pinkwart die Vertrauensfrage auf dem Parteitag positiv beantwortet bekommen, sei es möglich, dass die NRW-Vizeparteichefin Ulrike Flach für den Vorsitz kandidiere. Als eher unwahrscheinlich wurde die in der Partei kursierende Überlegung bezeichnet, dass Flach noch vor dem Parteitag als Alternativkandidatin zu Pinkwart und Möllemann präsentiert wird. Es werde wohl auf einen "Showdown" zwischen Möllemann und Pinkwart hinauslaufen, hieß es.

72 Prozent der Landtagsfraktion für Neubesetzung

In Kreisen der FDP-Landtagsfraktion in Düsseldorf hieß es, die Partei sei weiter gespalten, doch scheine es, als ob sich Pinkwart durchsetzen werde. Gegen Möllemann sprach sich eine Mehrheit der Parteitagsdelegierten des Bezirksverbands Ostwestfalen-Lippe aus. Rund 72 Prozent seien für die Neubesetzung der Position des Landesvorsitzenden, teilte der Verband mit. (Reuters)

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    Wolfgang Gerhardt

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