Entführung des Bankierssohns von Metzler

3. Oktober 2002, 09:26
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Der entführte Bankierssohn Jakob von Metzler wurde von seinem mutmaßlichen Entführer, einem 27-jährigen Jurastudenten aus Frankfurt, wahrscheinlich bereits kurz nach dem Kidnapping am Freitag getötet. Am Montag nahm ihn die Polizei unter Mordverdacht fest. Im folgenden eine Chronik der Ereignisse:

Freitag, 27. September

10.15 Uhr: Der elfjährige Jakob von Metzler verlässt die Carl-Schurz-Schule in der Holbeinstraße im Stadtteil Sachsenhausen und fährt mit einem Bus der Linie 53 nach Hause. Es ist sein letzter Schultag vor den Herbstferien.

10.35 Uhr: Jakob steigt an der Haltestelle Mörfelder Landstraße/Stresemannallee in Höhe des Tengelmann-Supermarkts aus. Hier wird der mittelblonde Bub von einem Mitschüler das letzte Mal gesehen.

10.35 bis 11.00 Uhr: Jakob folgt dem ihm bekannten Täter offenbar freiwillig. Wie und wohin, ist bisher unklar.

11.55 Uhr: In der Einfahrt zum elterlichen Haus wird ein Brief mit der Geldforderung von einer Million Euro abgelegt. Darin wird ein bestimmtes Zeichen dafür gefordert, dass die Familie zur Zahlung bereit ist. Als Zeitpunkt der Übergabe legt der mutmaßliche Einzeltäter die Nacht von Sonntag auf Montag fest.

12.00 bis 24.00 Uhr: Die Eltern schalten die Polizei ein. Nach vorläufigen Erkenntnissen der Polizei wird Jakob noch am Tag seiner Entführung umgebracht.

Sonntag, 29. September

Nacht zum Montag: Der Täter holt das Geld ab; dabei wird er offenbar von der Polizei beobachtet. Aus den Beobachtungen können die Fahnder Hinweise auf den Mann ziehen. Zunächst läuft alles wie verabredet, deshalb schreitet die Polizei nicht ein.

Montag, 30 September

Frühmorgens: Der Verdächtige macht keine Anstalten zur Freilassung der Geisel.

Nachmittags: Die Polizei durchsucht mehrere Wohnungen und Objekte und nimmt zwei Verdächtige fest. Zunächst ist von einem Pärchen im Alter von 16 und 24 Jahren die Rede. Einer der Festgenommenen erwähnt den Langener Waldsee als Versteck. Beamte durchkämmen das Gelände und durchsuchen Hütten. Insgesamt sind neun Einsatzhundertschaften sowie dutzende Spezialisten aus dem ganzen Bundesgebiet beteiligt.

18.30 Uhr: Die Polizei informiert die Öffentlichkeit. Die Suche dauert bis nachts und bis zum Dienstagvormittag.

Nachts: Die Polizei nimmt zwei weitere Verdächtige fest.

Dienstag, 1. Oktober

Vormittags: Einer der Festgenommenen erwähnt gegenüber der Polizei einen kleinen See nahe Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis; die Suche beginnt. Drei der vier Tatverdächtigen werden wieder auf freien Fuß gesetzt. Ein 27 Jahre alter Jurastudent bleibt unter dringendem Tatverdacht in Haft.

12.00 Uhr: Die Polizei findet ein verschnürtes Bündel von der Größe und der Kontur eines menschlichen Körpers an dem See.

14.15 Uhr: Der Frankfurter Polizeipräsident Harald Weiss-Bollandt informiert die Eltern von dem Fund.

14.45 Uhr: Weiss-Bollandt informiert auf einer Pressekonferenz die Öffentlichkeit über den Ermittlungsstand.

15.00 Uhr: Bei der Öffnung des Bündels zeigt sich, dass eine Kinderleiche darin steckt. Am späteren Nachmittag bestätigt die Frankurter Staatsanwaltschaft, dass es sich bei der Leiche um Jakob von Metzler handelt (APA/AP/red)

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