Deutsche IT-Branche erstmals auf Schrumpfkurs

1. Oktober 2002, 15:21
posten

28.000 Jobs fallen weg - Ende der Krise erst 2003 erwartet

Nach jahrelangem Boom ist die deutsche Informations- und Telekommunikationsbranche 2002 erstmals auf Schrumpfkurs. Bis Jahresende werde sich der Markt um 1,3 Prozent auf 136 Mrd. Euro verkleinern, sagte der Präsident des Branchenverbands BITKOM, Volker Jung, am Dienstag in München. Rund 28.000 Jobs dürften abgebaut werden. Für 2003 erwartete Jung ein allmähliches Ende der Talfahrt und stabile Nachfrage. "Die ITK-Branche sollte unter dem Strich eine schwarze Null erreichen können."

Nachfrageschwach

Kein anderer europäischer Markt sei momentan so nachfrageschwach wie der deutsche, erläuterte Jung. Die einzelnen Segmente der IT-Branche entwickelten sich sehr unterschiedlich: 2002 schrieben voraussichtlich nur Telekommunikations- und Internet-Dienste schwarze Zahlen. TK-Dienste wüchsen derzeit um fünf Prozent. Die Internet-Dienste werden laut Jung vermutlich ein Plus von 20 Prozent erzielen. Die Zahl der deutschen Internet-Nutzer solle bis zum Jahresende von 34 auf 36 Millionen klettern, bis Ende 2003 auf 40 Millionen.

Jung sagte weiter, die Wachstumsträger des vergangenen Jahrzehnts, Software und IT-Service, hätten ihre Zugkraft verloren. Die Umsätze mit Software verringerten sich im laufenden Jahr voraussichtlich um ein Prozent auf 15 Mrd. Euro. Die Servicesparte stagniere bei 29 Mrd. Euro. Eine stärkere Nachfrage sei nicht in Sicht.

Weniger Umsatz

Wie Jung weiter sagte, fallen im Hardware-Sektor die Umsätze seit 2000 ständig. Bis 2003 werde das Geschäft mit Geräten insgesamt um gut zehn Mrd. Euro zurückgehen. Dagegen legten Telekommunikations-Dienste zwischen 2000 und 2003 knapp zehn Mrd. Euro zu.

Als einen Grund für die Verschiebung von der Fertigungs- zur Dienstleistungsbranche nannte Jung die Flaute im Handy-Markt. Zudem käme der Aufbau der neuen Handy-Generation UMTS nicht voran. Die Netzbetreiber seien mit Schuldenabbau beschäftigt und stellten Investitionen zurück.

Positive Signale

Positive Signale kommen laut Jung aus dem Mobilfunkmarkt. Dieser werde 2002 ein Volumen von fast 20 Mrd. Euro erreichen, fast so viel wie das Festnetzgeschäft. "Schon heute sind mehr mobile als Festnetzanschlüsse geschaltet."

Zur Beschäftigungssituation in der Branche sagte Jung: "Die Zahl der Arbeitsplätze ist erstmals seit Anfang der neunziger Jahre rückläufig." Seinen Angaben zufolge arbeiten derzeit knapp 800.000 Menschen in der ITK-Branche. 2002 werde die Zahl vermutlich um drei Prozent sinken. "Damit fallen 28.000 Arbeitsplätze weg." Ein Ende des Stellenabbaus sei nicht abzusehen.

Um die Branchenkrise zu überwinden, forderte Jung von der Politik ein flexibleres Arbeitsrecht und niedrigere Steuern.(APA/AP)

Share if you care.