Laun: Antisemitismus von Christen ist Widerspruch in sich

1. Oktober 2002, 15:00
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Christlicher Antijudaismus müsse ausgerottet werden wie die Pest

Salzburg - "Antisemitismus von Christen ist ein Widerspruch in sich": Dieses Resümee zog heute, Dienstag, der Salzburger Weihbischof Andreas Laun zum Abschluss der Tagung "Österreichs Beitrag zum jüdisch-christlichen Dialog" in Salzburg. Der christliche Antijudaismus müsse "wie die Pest, deren Bazillen man ein für alle Mal vernichtet", ausgerottet werden. Dazu gibt es - so Laun - nur ein Mittel: Christen klarzumachen, dass sie durch ihren Glauben "unlösbar mit dem Judentum verbunden" sind. Denn so wie Jesus Sohn einer Jüdin war, sei die Mutter der Kirche das Judentum.

Laun erinnerte laut Kathpress an ein Wort des Schriftstellers Joseph Roth: "Man schlägt den Moritz Finkelstein aus Breslau und meint den Juden aus Nazareth." Antisemitismus sei somit in seiner tiefsten Wurzel Auflehnung gegen Gott und Jesus Christus. Weil es diese Auflehnung immer geben werde, "wird es immer auch Antisemitismus geben - genauso wie Christenverfolgung", meinte Laun. Beide seien die "Folge des gleichen Hasses". Dementsprechend hätten die Nazi gebrüllt: "Innitzer und Jud, eine Brut!" Juden und Christen müssten sich vergegenwärtigen: "Wenn Christen geschmäht werden, sind Juden betroffen, und wenn Juden verfolgt werden, sind die Christen mitgemeint - auch wenn der Verfolger es anders behauptet", stellte der Bischof fest.

Schwerpunktthema der Tagung war auch das Verhältnis zwischen den beiden Religionen, "die im Grunde eine einzige sind". Juden und Christen glauben - wie Laun ausführte - gleichermaßen an den Messias: die Juden als den Kommenden, die Christen an den Gekommenen. Das Zweite Vatikanische Konzil habe an den nie gelösten Bund erinnert, den Gott mit seinem erwählten Volk geschlossen habe. Und umgekehrt könnten sich Juden freuen, dass Christen den Gott Israels und die Thora in der ganzen Welt verkünden.

Die "Nachzügler" im jüdisch-christlichen Dialog sind laut Laun nicht repräsentativ, es bestehe im Gegenteil Anlass zu Hoffnung auf weitere Fortschritte. "Geisterfahrer" in die Vergangenheit nannte Laun "Häretiker". Spätestens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sei die Kirche für immer "geimpft" gegen die "abstruse Idee", die eigenen "älteren" Brüder abzulehnen. (APA)

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