Wien: Gegenseitige Schuldzuweisungen

1. Oktober 2002, 15:00
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69.332 Arbeitslose im September - Plus um 12,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr

Wien - In Wien waren Ende September 69.332 Menschen beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos vorgemerkt. Damit stieg die Arbeitslosenzahl gegenüber dem September 2001 um 7.872 Personen oder 12,8 Prozent, teilte das AMS Wien am Dienstag in einer Aussendung mit. Der prozentuelle Anstieg lag unter dem Österreichschnitt von 13,8 Prozent. Als vorläufige Arbeitslosenrate errechnete das AMS eine Wert von 8,3 Prozent.

Es waren 40.317 Männer (plus 13,5 Prozent gegenüber September 2001) und 29.015 Frauen (plus 11,9 Prozent) arbeitslos vorgemerkt. Gezählt wurden auch 12.959 arbeitslose Ausländer, ein Plus von 1.549 Personen oder 13,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 12.575 Personen befanden sich in Schulungsmaßnahmen, ein Anstieg gegenüber September 2001 um 15,8 Prozent. Gegenüber dem August 2002 waren es 1.992 Menschen mehr, die eine Maßnahme des AMS in Anspruch nahmen.

Technische Berufe am stärksten betroffen

Die Altersgruppe der 19- bis unter 25-Jährigen war mit plus 20,6 Prozent (auf einen Bestand von 7.127 Personen) vom prozentuellen Anstieg der Arbeitslosigkeit von allen Personengruppen im Erwerbsalter am stärksten betroffen. Die Zahl der 15- bis unter 19-Jährigen Arbeitslosen ging gleichzeitig um 10,1 Prozent zurück. Insgesamt wurden bei den 15- bis 24-Jährigen 8.156 Arbeitslose gezählt (1.101 Personen oder 15,6 Prozent mehr als im Vorjahr). Bei den 25- bis 44-Jährigen (Haupterwerbsalter) waren es 36.134 (4.347 Personen oder 13,7 Prozent mehr), bei den über 45-Jährigen 25.042 (2.424 oder 10,7 Prozent mehr).

Von den Berufen mit höheren Bestandszahlen waren technische Berufe in Wien nach wie vor vom prozentuellen Anstieg am stärksten betroffen (3.161 Personen, plus 40,1 Prozent). Handel (7.343, plus 23,6), Verkehr (3.537, plus 19,7 Prozent), Büroberufe (12.092, plus 17,1 Prozent), Lehr- und Kulturberufe (3.170, plus 15,4 Prozent) und Gesundheitsberufe (2.130, plus 14,7) folgen. Die meisten Arbeitslosen in absoluten Zahlen gab es im Bürobereich und im Handel. In den Dienstleistungsberufen wie Reinigung oder Fremdenverkehr gab es insgesamt ein Plus von 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, am Bau blieb die Zahl annähernd gleich.

Mit einem Bestand von 3.839 ging die Zahl der dem AMS gemeldeten offenen Stellen weiterhin zurück, und zwar um 1.775 oder 31,6 Prozent gegenüber dem September 2001. Es waren 216 gemeldete Lehrstellen sofort verfügbar, um 28 Stellen mehr als im September 2001. Dem gegenüber standen 1.213 Lehrstellensuchende, um 331 Personen mehr als im September 2001.

Streit um Schuld am Arbeitslosen-Anstieg

Angesichts der am Dienstag veröffentlichten Wiener Arbeitslosenzahlen lieferten einander Vertreter von SPÖ und ÖVP erneut einen Schlagabtausch um die Schuldfrage für den Anstieg. Christian Oxonitsch, SP-Klubobmann im Wiener Rathaus, verwies in einer Aussendung darauf, dass Wien besser als der Bundesschnitt liege. Die Bundesregierung bekomme dagegen "die Rechnung für ihr wirtschaftspolitisches Nichtstun" präsentiert. Seitens der ÖVP wurde dies zurückgewiesen.

VP-Klubchef Matthias Tschirf betonte, dass Wien mit fast einem Drittel des Gesamtanstieges der Arbeitslosen im Bundesgebiet im September wieder einmal die Hauptlast trage: "Die Arbeitslosigkeit in Wien ist dank der verfehlten Politik der SPÖ-Stadtregierung auf einem derart hohen Niveau, dass man sich nach wie vor jedes Monat wundern muss, dass sie überhaupt noch weiter steigen kann. Die absoluten Zahlen belegen, dass die zaghaften SP-Versuche, den Wiener Arbeitsmarkt zu beleben, untauglich waren, und daher nicht gefruchtet haben."

Ganz anders sieht das der Wiener Wirtschaftsstadtrat Sepp Rieder (S). Die jüngsten Arbeitsmarktdaten hätten "der ÖVP-Polemik gegen Wien endgültig den Boden entzogen". Rieder in einer Aussendung: "Wien liegt bei einer Reihe wichtiger Arbeitsmarktdaten günstiger und in einzelnen Positionen gegen den allgemeinen Zunahmetrend." So habe Wien die drittniedrigste Zunahme der Gesamtarbeitslosigkeit gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres. Die Jugendarbeitslosigkeit der 15- bis 19-Jährigen sei gegenüber September 2001 in Wien um 10,1 Prozent gesunken. Dem gegenüber sei dieser Wert in Gesamtösterreich um 17,4 Prozent gestiegen.

Rieder: "Das ändert nichts daran, dass die Situation am Arbeitsmarkt auch in Wien alles andere als zufrieden stellend ist. Wir werden daher unser Beschäftigungs- und Investitionsprogramm zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit weiter fortsetzen." (APA)

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