Ausgang noch absolut offen

1. Oktober 2002, 15:33
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Sozialwissenschaftliche Studiengesellschaft: 20 Prozent noch unentschlossen - 74 Prozent für Haider-Ausscheiden aus Politik

Wien - Absolut offen ist der Wahlausgang am 24. November für die Sozialwissenschaftliche Studiengesellschaft (SWS). Mindestens 20 Prozent der Wähler seien noch unentschlossen, meinte SWS-Obmann Ernst Gehmacher am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Für seriöse Prognosen sei es daher zu früh. Ein Trend zeichne sich aber dennoch ab: Und zwar die Wählerwanderung von der FPÖ zur ÖVP, zur SPÖ und zu den Unentschiedenen - etwa in gleichem Maße, wie Gehmacher betonte. Ein zweiter Wählerstrom sei den Grünen zugeflossen, und zwar von der SPÖ und den Unentschiedenen.

Im Gegensatz zu manchen Parteien glaubt die SWS nicht, dass die Spitzenkandidaten die Wahlen entscheiden werden. "Politik-Stars" gebe es in Österreich nämlich nicht. Mit dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F) habe man lediglich einen "Negativ-Star".

Bei den Wählerwanderungen zeige sich, dass SPÖ und Grüne vor allem einen Zustrom an weiblichen Wählern zu verzeichnen hätten. Bei der ÖVP ist das nur zu 33 Prozent der Fall. Aufgeschlüsselt nach der Altersstruktur könne die SPÖ vor allem ältere Wähler wieder gewinnen (46 Prozent der neuen Sympathisanten sind über 50 Jahre). Bei den Grünen sind die Zugewinne hauptsächlich bei den Jüngeren zu verzeichnen. Das entspreche auch dem Generationenbild der gesamten Anhängerschaft der beiden Parteien. ÖVP und FPÖ seien hingegen aufgespalten zwischen den Älteren und der Jugend, meinte Gehmacher.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Aufschlüsselung nach Bildung. Zu den Grünen würden viele Angehörige der "jüngeren Bildungsschicht" wechseln. Die Zugewinne der SPÖ von der FPÖ würden hingegen nur zu elf Prozent aus dieser Schicht kommen. Und wo die FPÖ noch von der SPÖ Wähler gewonnen habe, seien dies überwiegend Männer ohne Matura, darunter relativ viele Arbeitslose.

74 Prozent für Haider-Ausscheiden aus Politik

74 Prozent der Österreich würden ein endgültiges Ausscheiden des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider (F) aus der Politik "begrüßen", zwölf Prozent würden das "bedauern". Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft (SWS), die am Dienstag präsentiert wurde. 80 Prozent der fast 1.200 Befragten glauben aber nicht, dass sich Haider, wie angekündigt, tatsächlich aus der Bundespolitik zurückziehen wird. Nur neun Prozent sind davon überzeugt.

Nur die FPÖ-Sympathisanten sind mehrheitlich gegen einen Haider-Rückzug. Sie würden zu 78 Prozent einen Rückzug Haiders bedauern. Nur acht Prozent der deklarierten FP-Wähler würden diesen Schritt begrüßen. SPÖ- und Grüne Wähler sprechen sich zu über 90 Prozent für einen endgültigen Rückzug Haiders aus. Bei den ÖVP-Sympathisanten sind es immerhin noch 69 Prozent.

Abgefragt wurde allerdings auch die Einstellung zur Solidargesellschaft. Demnach würden 74 Prozent der Befragten eine Gesellschaft, "in der sich die Starken verpflichtet fühlen, für die Schwachen zu sorgen" hoch oder sehr hoch einschätzen. Gleichzeitig glauben 46 Prozent, dass eine Steuer- oder Lohnnebenkostensenkung zur Verringerung der Sozialleistungen führen würde. 31 Prozent glauben das nicht. Für Heinz Kienzl, SWS-Obmann, "ein Zeichen, dass die Menschen eine solidarische Gesellschaft wollen". (APA)

  • Laut SWS ist der Ausgang der Wahlen noch völlig offen
    montage: derstandard.at

    Laut SWS ist der Ausgang der Wahlen noch völlig offen

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