Zahlungsmoral sinkt

1. Oktober 2002, 15:07
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Österreich ist dabei jedoch in bester europäischer Gesellschaft - Verschlechterung bei gewerblichen und privaten Schuldnern

Wien - Die Zahlungsmoral der Österreicher wird immer schlechter und wird sich auch im nächsten Jahr nicht verbessern. Zu diesem Ergebnis kommt der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) bei einer Umfrage unter seinen Mitgliedern.

37 Prozent der befragten Unternehmer sind demnach der Meinung, dass sich das Zahlungsverhalten im "B2B"-Bereich, also bei gewerblichen Schuldnern, gegenüber dem Vorjahr verschlechtert hat. Nur 9 Prozent konnten eine Verbesserung feststellen. Die Zahlungsmoral der Privaten empfinden 32 Prozent als verschlechtert. Nur noch 45 Prozent sagen, dass das Zahlungsverhalten der privaten Kunden gegenüber 2001 unverändert gut bzw. verbessert ist. Im Vorjahr waren immerhin noch 48 Prozent dieser Ansicht, teilt der KSV am Dientag mit.

Auch für 2003 wird keine Verbesserung des Zahlungsverhalten erwartet. 77 Prozent sind der Meinung, dass sich die Zahlungsmoral weiter verschlechtern bzw. unverändert schlecht bleiben wird.

Die Einführung des Euro als Zahlungsmittel hat trotz Skepsis und Gewöhnungsschwierigkeiten für 85 Prozent der Befragten keine Auswirkungen auf das Zahlungsverhalten gehabt. Dies sei sicher auch darauf zurückzuführen, dass ein Großteil der Geschäfte unter Unternehmern bargeldlos abgewickelt wird, meint der KSV.

Mit 42 Tagen ist im Jahr 2002 die durchschnittliche Zahlungsdauer gleich hoch wie 2001 geblieben. Auf Grund eines um einen Tag verringerten durchschnittlichen Zahlungsziel von 24 Tagen hat sich der durchschnittliche Zahlungsverzug heuer auf 18 Tage erhöht. Es sind hierbei sowohl Skontofristen wie auch Nettozahlungsfristen berücksichtigt worden.

Österreich befindet sich mit 18 Tagen durchschnittlichem Zahlungsverzug in bester europäischer Gesellschaft. Vergleichswerte aus dem Jahr 2001 ergeben ebenfalls einen durchschnittlichen europäischen Zahlungsverzug von 18 Tagen. Hinsichtlich der durchschnittlichen Zahlungsdauer liegt Österreich noch immer 10 Tage unter dem europäischen Durchschnitt von 52 Tagen.

Einen leichten Anstieg hat es auch wieder bei der Schädigung durch Kundeninsolvenzen gegeben. Im Jahr 2000 waren der letztjährigen Umfrage zufolge 64 Prozent der befragten Unternehmen von Kundeninsolvenzen betroffen gewesen. Die heurige Umfrage hat ergeben, dass 2001 bereits 67 Prozent der Befragten durch Insolvenzen geschädigt wurden. Dies ist nach der letztjährigen Steigerung um 2 Prozent wiederum ein Plus von 3 Prozent. Im Schnitt waren die befragten Unternehmen 2001 von 4 Insolvenzverfahren betroffen, im Jahr zuvor waren es 5 Insolvenzen.

Kunden im Bereich des öffentlichen Sektors freuen sich 2002 über die verbesserte Zahlungsmoral des Bundes. 62 Prozent erklären, dass die vertraglichen Zahlungsziele eingehalten werden, das sind um 4 Prozent mehr als im Vorjahr. Der durchschnittliche Zahlungsverzug hat sich gegenüber 2001 um 3 Tage verringert, liegt jedoch mit 34 Tagen noch immer weit über dem durchschnittlichen Zahlungsverzug von 18 Tagen. (APA)

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KSV

  • Erste, zweite, dritte Mahnung: Eine Verbesserung des Zahlungsverhaltens ist nicht in Sicht.
    montage: derstandard.at

    Erste, zweite, dritte Mahnung: Eine Verbesserung des Zahlungsverhaltens ist nicht in Sicht.

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