Leben nach Napster

1. Oktober 2002, 14:05
9 Postings

Mit der mittlerweile geschlossenen Online-Musiktauschbörse Napster versetzte er die Musikindustrie in Panik – Jetzt ist Shawn Fanning arbeitslos

Von der Online-Musiktauschbörse Napster ist nicht mehr viel übrig. Die verbliebenen Vermögenswerte - der Markenname, die Web-Adresse, die Technologie und die Büroausrüstung – sollen in Kürze versteigert werden. Napster-Gründer, Shawn Fanning, verbringt unterdessen seine ersten Wochen in der Arbeitslosigkeit. In die Online-Musikindustrie will der 21-jährige, wie das "Wall Street Journal" berichtet, vorerst nicht zurückkehren. Stattdessen hat er das Sorgerecht für seinen 15-jährigen Halbbruder übernommen.

Nicht zu stoppen

Den Bemühungen der Online-Musikindustrie, nach Napster nun die Nachfolgemodelle Kazaa, Morpheus und Grokster mit Klagen unter Druck zu setzen, gibt Fanning wenig Chancen. Sollten diese geschlossen werden, würde es nicht lange dauern bis andere Tausch-Börsen die Lücke schließen, meint Fanning. Die Technologie sei nicht mehr zu stoppen. Stattdessen rät er den Unterhaltungskonzernen, mehr auf die Bedürfnisse ihrer Kunden zu einzugehen.

Dass die Musiktauschbörsen an den Umsatzeinbrüchen der Industrie schuld sei, glaubt Fanning nicht. Als Napster am Höhepunkt war, erzählt er dem "Wall Street Journal", wären auch die CD-Verkäufe gestiegen. Erst als die Industrie begann, sich auf die Online-Tauschbörsen einzuschießen, würde der CD-Absatz bröckeln, so Fanning. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden weltweit sieben Prozent weniger Tonträger verkauft.

Verpasste Gelegenheiten

Die Online-Musiktauschbörse Napster war zwar sehr populär, profitabel war sie jedoch nie. –Bis auf sein Gehalt habe er an Napster kein Geld verdient, erzählt Fanning. Er sehe es auch nicht als verpasste Gelegenheit, während des Internet-Booms nicht an die Börse gegangen zu sein. Auch über den geplatzten Verkauf des Unternehmens an Bertelsmann sei er nicht traurig. „Ich habe mit der Absicht begonnen Windows-Programmieren zu lernen“, sagt Fanning, was letztlich dabei herauskam hätte jedoch seine Erwartungen übertroffen.

Natürlich wären bei Napster auch Fehler passiert, diese meint Fanning, hatten jedoch auch ihre Rechtfertigung. So hätte er von Anfang an versucht ein Business-Modell zu finden, über das auch Musiker und Rechteinhaber profitieren würden. Dies sei jedoch bekanntlich gescheitert. Für sich persönlich hätte er zumindest gelernt, seine Zeit in Hinkunft besser einzuteilen und auf einen gesünderen Lebensstil zu achten. Und wie geht es weiter? Ein Start-up, aber darüber wolle er noch nicht reden, meint Fanning, erst mal wolle er ausspannen. (red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Shawn Fanning: "Natürlich auch Fehler passiert."

Share if you care.