Die Borgias: Eine Familie wie keine

3. Oktober 2002, 15:33
posten

Rom zeigt große Ausstellung über die Borgias - im Bannkreis von Macht, Skandalen und kultureller Blüte

Rom - Der skandalumwitterten Dynastie Borgia, die das Italien des 15. und 16. Jahrhunderts geprägt hat, widmet Rom eine große Ausstellung im Palazzo Ruspoli. "Borgia: Die Kunst der Macht" ist der Titel der in neun Sektionen gegliederten Schau, die die wichtigsten historischen Ereignisse rund um die berühmt-berüchtigte Familie schildert. Sie wird am kommenden Donnerstag eröffnet und kann bis 23. Februar 2003 besichtigt werden. Im Mittelpunkt stehen die Päpste der ursprünglich aus der spanischen Stadt Valencia stammenden Adelsfamilie, der wichtigste von ihnen war Alexander VI (Pontifikat: 1492-1503).

Scheinbarer Widerspruch

In den Vordergrund der Ausstellung stellen die Kuratoren der Schau den nur scheinbaren Widerspruch, dass die Borgia-Herrschaft bei aller Grausamkeit die Ideale des Humanismus zu ihrer größten öffentlichen Wirksamkeit brachte. Entsprechend ist die Epoche der Borgia mit den Künstlern der Zeit - Leonardo da Vinci, Botticelli, Michelangelo, Pinturicchio, Bembo, Tizian, Raffaello, Bosch und Dürer - eng verbunden. Die Höfe und Schlösser der Borgia waren Schauplatz derjenigen Ereignisse und Treffpunkt derjenigen Menschen, die "Europa aus der Gotik heraus zur Renaissancezeit und zum Europa der Nationen geführt haben", betonte der Kurator der Ausstellung, Ezio Frigerio.

Die Schau im Palazzo Ruspoli zeigt Gemälde, Marmorstatuen, Porträts der bekanntesten Mitglieder der Familie, Waffen, Wappen und Juwelen, die den Besucher zu einer Reise in eine der faszinierendsten Epochen Europas einladen. Mehrere Werke kommen aus den vatikanischen Museen, aus der Kathedrale und dem berühmten Museum von Valencia sowie aus mehreren Sammlungen in Florenz und Mantua. Zu bewundern sind außerdem ein Porträt und ein Helm von Ferdinand dem Katholiken sowie ein Bild von Cesare Borgia aus dem Kunsthistorischen Museum in Wien.

Skandalnudel auf dem Papstthron

Die Ausstellung widmet einigen Vertretern der Dynastie, Papst Alexander VI und seinen beiden Kindern Cesare und Lucrezia, besondere Aufmerksamkeit. Mit Papst Alexander VI erreichte das Papsttum den Tiefpunkt seiner Geschichte. Die Reihe der Verbrechen, die ihm angelastet wurden, reicht vom Giftmord bis zur Blutschande mit der eigenen Tochter.

Lucrezia Borgia war am 18. April 1480 in Rom geboren und viermal verheiratet, zuletzt mit Alfonso I. d'Este, Herzog von Ferrara. Sie zog als geistvolle Renaissancefürstin namhafte Dichter und Gelehrte an den Hof von Ferrara, u. a. Ariosto. Ihre unrühmliche Reputation beruht neueren Forschungen zufolge auf zeitgenössischer Verleumdung.

"Romane, Filme, Studien jeglicher Art haben bis heute die Erinnerungen an die Borgia und an ihre starken Persönlichkeiten wach gehalten. Die Dynastie zählte nicht zu den passiven Beobachtern der einmaligen Epoche, in der sie lebte, sondern prägte auf entscheidende Weise ihr Zeitalter. Das Mythos rund um diese Familie hat jedoch oft kein geschichtliches Fundament. Daher will die Ausstellung die Ereignisse rund um die Borgia in einem wissenschaftlicheren Rahmen vorstellen", so der Kurator der Ausstellung. (APA)

"Borgia: Die Kunst der Macht" im Palazzo Ruspoli, via del Corso, 418 Rom.

Von 3. Oktober 2002 bis 23. Februar 2003. Öffnungszeiten: Von Sonntag bis Mittwoch von 9:30 bis 20:30 Uhr, Donnerstag bis Samstag 9:30 bis 22.30 Uhr.
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Cesare Borgia

Share if you care.