Kadirow: Russische Soldaten heizen Widerstand der Tschetschenen an

1. Oktober 2002, 13:47
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Pro-russischer Verwaltungschef beschuldigt Russen, den Konflikt "unnötig" verlängert zu haben - Sein Sohn entkam knapp einem Attentatsversuch

Moskau - Die Schikanen russischer Soldaten gegenüber tschetschenischen Zivilisten haben nach Ansicht des pro-russischen Verwaltungschefs Ahmad Kadirow den Konflikt in der abtrünnigen Kaukasus-Republik unnötig verlängert. Die Kämpfe hätten schon längst beendet sein können, wenn nicht die ständigen Erniedrigungen den Widerstand anheizen würden, sagte Kadirow am Montag zum dritten Jahrestag des Tschetschenienkriegs. "Das Rückgrat der Rebellen ist zwar gebrochen, doch bleibt noch viel zu tun", sagte Kadirow der Nachrichtenagentur Interfax. Nach jeder der so genannten Säuberungsaktionen der Soldaten griffen Menschen zu den Waffen, die weder Rebellen noch Sölnder seien, aber die Erniedrigung nicht mehr ertragen könnten.

Mit der Bodenoffensive der russischen Armee begann vor drei Jahren der zweite Krieg zwischen Moskau und der nach Unabhängigkeit strebenden Kaukasusrepublik. Moskau hat ihn zwar für beendet erklärt, doch gehen die Angriffe tschetschenischer Rebellen auf die noch rund 80.000 verbliebenen russischen Soldaten weiter. Nach Schätzung der regierungsunabhängigen Organisation "Memorial" wurden seit Oktober 1999 bis zu 20.000 Zivilisten getötet, weitere 700 gelten bis heute als vermisst. Menschenrechtsorganisationen haben wiederholt die Übergriffe russischer Soldaten beklagt, deren Untaten wie Raub, Vergewaltigung, Folter oder sogar Mord meistens ungeahndet blieben.

Ein Leibwächter Kadirows konnte am Montagabend einen Mordanschlag auf Kadirows Sohn Selimchan verhindern. Der Sicherheitsmann habe dem Attentäter in letzter Minute die Waffe aus der Hand schlagen können, als dieser in Nowogrosny östlich der Hauptstadt Grosny auf Kadirows Wagen zielte, sagte Sicherheitschef Ruslan Alchanow der Agentur Interfax. Der Attentäter sei geflüchtet. Die pro-russischen Mitarbeiter der tschetschenischen Verwaltung werden von den Rebellen als Verräter angesehen. Mehrere Dutzend Beamte wurden bereits getötet. Verwaltungschef Kadirow entkam selbst mehreren Anschlägen.(APA)

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    foto: epa/gruzinform
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