Arbeitslosigkeit steigt ungebremst

2. Oktober 2002, 12:18
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Konjunkturflaute schlägt voll auf den österreichischen Arbeitsmarkt durch - Knapp 200.000 Arbeitslose im September

Wien - Die Zahlen sprechen für sich, auch wenn der Interpretationsspielraum in Wahlkampfzeiten groß ist. Noch-Kanzler Wolfgang Schüssel kommentierte die Arbeitslosenstatistik mit den Worten: "Gott sei Dank zeigt sich ein etwas positiveres Bild. Die Situation entspannt sich." Mit einer Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent habe Österreich das drittbeste Ergebnis innerhalb der EU erreicht. "Wir kämpfen weiter", so Schüssel.

Die Opposition meinte, in allen Sparten verschlechtere sich die Arbeitsmarktsituation. AK-Präsident Herbert Tumpel sagte: "Die Versäumnisse von zweieinhalb Jahren Schwarz-Blau rächen sich."

Verglichen mit den Vormonaten, als die Arbeitslosigkeit jeweils zwischen 15 und 20 Prozent zulegte, ist ein Anstieg um 13,8 Prozent oder 24.256 Betroffene im September eine "Abflachung" der Steigerungsrate. Kalkuliert man wie Tumpel das sehr hohe Ausgangsniveau mit ein - schon im September 2001 legte die Arbeitslosigkeit um 14,2 oder fast 22.000 Betroffene zu -, zeigt sich die Dramatik.

Erholung nicht in Sicht

Wirtschaftsforscher Markus Marterbauer zum STANDARD: "Das Einzige, was helfen könnte, wäre eine Konjunkturerholung, aber die ist nicht in Sicht. Die Zahlen sind ein weiterer Beleg dafür, dass die Arbeitslosen nicht zu schlecht qualifiziert sind, sondern es gibt einfach keine Jobs."

In allen Bundesländern, in allen Branchen und in allen Alterskategorien steigt die Arbeitslosigkeit. Über das Jahr gerechnet, erwartet das Wifo durchschnittlich 235.000 Arbeitslose, der zweitschlechteste Wert seit 1998, dem "Rekordjahr" seit 1945.

Flaute schlägt durch

Deutlich überdurchschnittlich stieg die Arbeitslosigkeit bei den 19- bis 24-Jährigen (plus 19,5 Prozent) sowie bei den 45- bis 49-Jährigen (plus 20,5 Prozent). In allen Segmenten schlägt die Flaute durch: Industrie und Bauwirtschaft bauen kräftig Arbeitsplätze ab; auch die Zahlen im Dienstleistungsbereich mit Rückgängen zwischen zehn und 25 Prozent sprechen eine deutliche Sprache.

Die gemeldeten offenen Stellen gingen neuerlich um 16,5 Prozent auf 23.639 zurück. Tristesse auch auf dem Lehrstellenmarkt: 6101 Lehrstellensuchende kamen Ende September auf 2887 offene Stellen.

Beschäftigung im September leicht gestiegen

Die Beschäftigung in Österreich ist im September gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten (ohne geringfügige Beschäftigungsverhältnisse) lag mit 3,196.138 (1,761.824 Männer; 1,434.314 Frauen) um 8.117 bzw. 0,25 Prozent über dem Vorjahreswert. Das bedeutet eine Arbeitslosenrate von 4,2 Prozent nach Eurostat, teilte das Wirtschaftsministerium am Mittwoch mit.

(miba, DER STANDARD, Printausgabe 2.10.2002)

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    montage: derstandard.at
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