Autofahrerclubs beanstanden mangelnde Information seitens der Autobahnbetreiber

1. Oktober 2002, 11:58
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ARBÖ und ÖAMTC fordern Warnanlagen, um Nebelkarambolagen zu vermeiden

Wien - Nach der Massenkarambolage auf der A1 von gestern, Montag, haben die Autofahrerclubs ARBÖ und ÖAMTC jahrelange Versäumnisse der Autobahnbetreiber kritisiert. "Wir können die Betreiber nicht aus der Verantwortung entlassen. Bauten-, Finanz- und Verkehrsministerium sowie jetzt die Asfinag haben es verabsäumt, Warnanlagen zu installieren - vor allem dort, wo wiederholt Nebel einfällt", sagte heute, Dienstag, etwa ARBÖ-Präsident Herbert Schachter. Verkehrsminister Mathias Reichhold (F) wies darauf hin, dass bereits entsprechende Maßnahmen in Arbeit sind.

Reichhold erklärte am Dienstag vor dem Ministerrat, er habe die gestrigen schweren Verkehrsunfälle auf der Westautobahn "mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen". Er erinnerte daran, dass er bereits im Frühsommer den Spatenstich für die Errichtung eines Verkehrsleitsystems im Süden von Wien vorgenommen habe.

Konzepte stehen schon bereit

Bei der Asfinag gebe es bereits Überlegungen und Konzepte für die Errichtung weiterer Warnsysteme, so Reichhold. Die finanziellen Vorkehrungen dafür dafür seien im Verkehrsministerium bereits getroffen. Die Systeme könnten somit in den nächsten zwei bis drei Jahren implantiert werden.

Schachter sagte, Geld für Warnanlagen sei da. "Schließlich zahlen die Autofahrer jährlich über fünf Milliarden Euro oder 70 Milliarden Schilling an den Bund. Davon wird nur ein Drittel für Straßen ausgegeben", betonte der ARBÖ-Präsident. "Bei plötzlich auftauchenden Nebel muss einfach eine Warnung her. Wenn ein solches Naturphänomen sich in der Herbst- und Frühjahrssaison jährlich wiederholt, kann man nicht nur von höherer Gewalt sprechen, sondern es besteht seit Einführung der Vignette eine besondere Verpflichtung des jeweiligen Straßenerhalters, also der Asfinag, Abhilfe durch Warneinrichtungen zu schaffen."

Mediale Aufklärungskampagne gefordert

Außerdem forderte Schachter eine mediale Aufklärungskampagne: "Eigentlich sollte die Regierung in allen Medien Spots schalten und die richtige Reaktion in solchen Gefahrenmomenten plastisch aufzeigen." Hilfreich wären für den ARBÖ auch serienmäßige Nebelabstandsmesser in Pkw.

Der ÖAMTC forderte in Zusammenhang mit der Karambolage erneut ein elektronisch gesteuertes Verkehrsmanagement. "Man hat in den letzten zehn Jahren viel versäumt, denn selbst dort, wo es längst gute Konzepte für Verkehrstelematik gibt, wie etwa im Raum Linz, ist die Umsetzung noch nicht angelaufen", so ÖAMTC-Experte Willy Matzke.

Für die seit Jahrzehnten bekannten Nebelzonen erneuerte der Club seine Forderung nach rechtzeitigen Warnhinweisen. Damit wäre es sicher möglich gewesen, die Unfallkatastrophe zu verhindern, hieß es. Der ÖAMTC verwies darauf, dass es in der nebelgefährdeten Poebene in Oberitalien längst derartige vollautomatische Nebelwarner gebe. (APA)

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